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Die Futuristen

(1912)

Was dem Hundezüchter die schwarzen Lefzen und andere Merkmale der reinen Rasse seiner Hunde sind, das ist für den modernen Bilderkenner der Begriff der »peinture«. Wer sich nicht näher auskennt, sieht in das Züchterbuch. Die »peinture« ist bei Bildern, was die »Blume« der guten Weine ist, Gefühlssache. Wer sich auch hier nicht auskennt, sieht auf die Etikette, die die Firma aufgeklebt hat. Und dann kommt die Blamage. Der Picassosammler läuft in die Futuristenausstellung und schreit: sehr schön, wunderschön, aber keine peinture, meine Herren. Da antwortet ihm ein Klügerer: ma pittura, signore. Damit hört die Unterhaltung auf. Man kann ihm dann ein japanisches Gedicht oder etwas, das mindestens so schön ist und nicht immer nur von Kranichen und Pflaumenblüten handelt, vorlesen:

»Wenn man ein Fenster öffnet, tritt der ganze Lärm der Straße, die Bewegungen und die Gegenständlichkeit der Dinge draußen plötzlich in das Zimmer.«

Oder:

»Die Macht der Straße, das Leben, der Ehrgeiz, die Angst, die man in der Straße beobachten kann, das erdrückende Gefühl, das der Lärm verursacht«.

Und solche Dinge zu malen gelang den Futuristen, vorzüglich sogar. Carrà, Boccioni und Severini werden ein Markstein der Geschichte der modernen Malerei sein. Wir werden Italien noch um seine Söhne beneiden und ihre Werke in unseren Galerien aufhängen.

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›Die Futuristen‹ (Oktober 1912)
Aus: DER STURM, 3. Jahrgang 1912/13, Nr. 132, Oktober 1912, S. 187
Manuskript verschollen