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Anti-Beckmann

(1912)

Herr Max Beckmann hat auf meinen Artikel über die »neue Malerei« eine Entgegnung gebracht, deren Gedanken leider nicht zu einer eingehenden Diskussion einladen; sie machen den Eindruck, daß Herr Beckmann meine Ausführungen kaum recht gelesen hat. Zum Belege kann ich fast jede Zeile heranziehen; so z.B. die Erzählung von Cézannes Urteil über Gauguin, das mir wohlbekannt ist. Ich habe aber nicht Gauguin, sondern Picasso und seinen Kreis als Nachfolger Cézannes bezeichnet. Picassos ganzes Werk geht im unablässigen Studium von »Plastik und Tonwert« auf, das auch Cézannes Leitstern war.

Und wie ist es nur möglich, als Maler von »Matisse-Stoffen« und »Picasso-Schachbrettchen« zu reden! Diesen Ton könnte Herr Beckmann ruhig den Herren von Ostini, Eßwein und Konsorten überlassen. Jedenfalls sehe ich, daß mein aufrichtiges Bemühen, die Diskussion »auf eine förderliche Basis zu stellen, damit sie mit männlicherem Verstand und mehr Sachkenntnis geführt wird«, nichts gefruchtet hat. Wie sollte es auch bei einem Gegner, der den Begriff »Qualität« folgendermaßen definiert:

»Auch ich will nun einmal von Qualität reden. Qualität, wie ich sie verstehe. Den Sinn nämlich für den pfirsichfarbenen Schimmer einer Haut, für den Glanz eines Nagels, für das künstlerisch Sinnliche, was in der Weichheit des Fleisches, in der Tiefe und Abstufung des Raumes, nicht nur in der Fläche, sondern auch in der Tiefe liegt. Und dann vor allem in der Materie den Schmelz der Ölfarbe, wenn ich an Rembrandt, Leibl, Cézanne denke oder die geistvolle Struktur des Striches bei Hals.«

Nein, Herr Beckmann, Qualität erkennt man nicht am Glanz des Nagels oder am schönen Schmelz der Ölfarbe; mit Qualität bezeichnet man die innere Größe des Werkes, durch die es sich von Werken der Nachahmer und kleinen Geister unterscheidet. Leibls Werke haben Qualität, – die Werke seiner Nachfolger meist nicht, da der Geist nicht hinter ihnen steht.

Und die alte Geschichte mit dem Kunstgewerbe! Ich werde von heute ab alle Kritiker in Schutz nehmen; die Professionsmaler sind ja um kein Haar besser.

Nein, wirklich, hier kann man nicht nutzbringend diskutieren. Da verstände ich selber noch besser, mich zu widerlegen; statt dessen suchte ich aber Heber meinen ersten Artikel durch einen folgenden zu ergänzen, in dem ich über die konstruktiven Ideen der neuen Malerei sprach. [⇐109]

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Anti-Beckmann (März 1912)
Aus: PAN, 2. Jahrgang, No. 19 vom 28. März 1912, S. 555 f.
Manuskript verschollen