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Phantasien über die Kunst

Phantasien über die Kunst für Freunde der Kunst
Aus dem Nachlaß herausgegeben von Ludwig Tieck.
Erstdruck: Hamburg (Perthes) 1799.

"Es ist eine schöne Sache, einen längst verstorbenen Künstler aus seinen hinterbliebenen Werken sich im Geiste neu zu erschaffen, und aus allen den verschiedenen leuchtenden Strahlen den Brennpunkt zu finden, wohin sie zurückführen, oder vielmehr den himmlischen Stern, von welchem sie ausgingen. Dann haben wir die Weltseele aller seiner Schöpfungen vor uns, – ein Gedicht unserer Einbildungskraft, wovon das wirkliche Leben des Mannes völlig ausgeschieden ist.

Noch fast schöner ist es aber, wenn wir in Gedanken dieses schimmernde Geisterwesen mit Fleisch und Bein bekleiden, – wenn wir ihn uns als einen unsersgleichen, als unsern Freund und Bruder vorstellen können, und wie auch er ein Glied der großen Menschenkette war, an äußerer Beschaffenheit allen seinen geringeren Brüdern ähnlich. Dann ist uns der Gedanke gegenwärtig, wie doch auch diese schönste Menschenseele zuerst aus dem Ei der albernen Kindheit hervorgehen mußte, – wie Vater und Mutter ein Kind zur Welt gebracht, ohne ein Wort von seinem künftigen hohen Geiste zu wissen. Wir denken uns den herrlichen Künstler in allen Szenen des Lebens: wir sehen ihn als Jüngling, wie er den alten Vater verehrt und liebt, – als Mann, wie er mit Bruder, Schwester und Verwandten Freundschaft hält, wie er ein Weib nimmt und selbst Vater wird, – kurz, wie auch er von der Geburt bis zum Tode alle die Schicksale erfährt, welche dem Menschengeschlechte eigen sind."

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