02 Malerei und Schönheit

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2. Von der Malerei und von der Schönheit

 

         Van der Molerei

Item wer ein Moler will werden, der muß van Natür dorzu geschick sein.

   Item die Kunst des Malens würd baß durch Lieb und Lust gelernt dann durch Zwang.

   Item aus welchem ein großer künstreicher Moler soll werden, der muß ganz van Jugend auf darbei erzogen werden.

   Item er muß van guter Werkleut kunst erstlich viel abmachen, bis daß er ein freie Hand erlangt.

   Item was gemalt heiß.

   Item Malen ist das, daß einer van allen sichtigen Dingen eins, welches er will, wiss auf ein eben Ding zu machen, sie seien wie sie wöllen.

   Item es ist bequem, ein idlichem ein menschliche Gestalt zum ersten Lehren austeilen und in ein Maß bringen, eh man etwas

   anderst lerne.

   Item dorum will ich ein Weg für mich nehmen auf das leichtest so ich kann, und ganz nix verbergen, wie man ein menschlich Maß teilen söll. Und ich bitt auch alle die, die in solcher Kunst begründt sind und das mit der Hand wissen anzuzeigen, daß sie das wöllen klar an Tag bringen, nit durch lang schwer Weg gehn. Ich mein, ich wöll hie ein klein Feuerle anzünden. So ihr all Mehrung mit künstlicher Bessrung darzu tüt, so mag mit der Zeit ein Feuer daraus geschürt werden, das durch die ganz Welt leucht.

   Item ein idlicher, der mich hört, der untersteh in seinem Werk diese mein Meinung zu besseren, so würd noch viel Künst gefunden und beschrieben zu Besserung dem Malen.

   Item je genäuer man der Natur geleich macht, je besser das Gemäl zu sehen ist.

   Item vor viel hundert Johrn sind etlich groß Meister gewest, dovan Plinius schreibt, als der Apelles, Prothtogines, Phidias, Praxidiles, Politeklus, Parchasios und die anderen. Der etlich haben künstliche Bücher beschrieben van der Molerei, aber leider, leider, sie sind verloren. Dann sie sind uns verborgen und manglen ihrer großen Sinnreichkeit.

   Item ich hör auch nichts, das unser itzig Meister machen und beschreiben und aus lassen gahn. Kann nit gedenken, was der Mangel sei. Doch so will ich das wenig, das ich gelernt hab, so viel ich mag, an Tag lassen kummen, auf [daß] ein Besserer dann ich bin, sein errät und mich um mein Irrtum mit seinem gegenwärtigen Werk beweislich strof. Des will ich mich freuen, und dorum daß ich dannocht ein Ursach bin, daß solche Wohrheit an Tag kummt.

 

        Van Schönheit

Item es geziemt einem Moler, so ein Bild in seinen Gewalt gesetzt würd zu machen, daß er dasselb auf das schönest mach, so er kann. Was aber die Schönheit sei, das weiß ich nit. Idoch will ich hie die Schönheit also für mich nehmen: was zu den menschlichen Zeiten van dem meinsten Teil schön geacht würd, des soll wir uns fleißen zu machen.

   Item der Mangel an eim idlichen Ding ist ein Gebrech. Dorum zu viel und zu wenig verderben alle Ding.

   Die vergleichlichen Ding, eins gegen dem anderen, sind schön, und das Unnütz ist zu vermeiden. Aber der Nutz ist ein großer Teil der Schönheit. Es ist ein große Vergleichung zu finden in ungeleichen Dingen. Aber daß man wiss, was unnütz sei, so ist Hinken unnütz und viel dergeleichen. Dorum ist Hinken und desgleichen nit schön.

   Item die schönen Ding zu erforschen, dorzu dient wohl ein guter Rat. Doch soll derselb genummen werden van den, die do gut Werkleut sind mit der Hand. Dann den anderen Ungelernten ist es verborgen wie di[r] ein fremde Sprach. Doch das mag ein idlicher tan, der ein Werk gemacht hat, dasselb fir den gemein Mann stellen und sie lassen urteilen. Die ersehen gewahnlich das Ungeschicktest26, wiewohl sie das Gut nit erkennen. So du dann ein Wahrheit hörst, so magstu dann dein Werk darnoch besseren. Item es ist mäncherlei Unterschied und Ursach der Schöne. Wer die in seinem Werk beweisen kann, dem ist dest baß zu gelauben. Dann welches Werk kein Brechen hat, das ist schön.

   Item es möcht sich begeben, daß gesprochen würd: Wer will allbeg die Mühe und Erbet haben, wie nachmals beschrieben würd, mit Verzehrung langer Zeit, bis daß man ein einig Bild macht. Wie wollt dann einer tan, der oft auf ein Tafel zweihunderte muß machen und d[er] keins dem anderen gleich? In diesem ist mein Meinung nit, daß ein idlicher allbeg sein Leben lang messen soll. Aber dorzu ist dies Nochschreiben gut, so du solchs gelernt hast und wohl auswendig kannst, das dich wissenhaft macht, wie ein Ding sein soll. Dann ob dich dein Händ in der freien Erbet verführen wöllen durch die Schnelligkeit der Erbet, so werd dir dann dein Verstand durch ein recht Augenmoß und durch die gewandt Kunst, daß du gar wenig fehlst, und macht dich gewaltig in deiner Erbet und benimmt dir die großen Irrtum und erscheint allbeg dein Gemäl der Gerechtigkeit gemäß. Aber so du kein rechten Grund hast, so ist es nit mügen, daß du etwas Guts machst, du seiest der Hand so frei als du wöllest.

   Item durch ein rechte Kunst würstu in deiner Erbeit viel geherzter und fertiger dann sunst.

   Item so du gelehrt würdest, durch was Mittel ein menschlich Bild zu messen s[e]i, so würd dir das dienen, zu was Geschicklichkeit der Menschen du wilt. Dann es sind viererlei Kumplex der Menschen, wie dich des die Physici berichten künnen. Dieselben all magstu ermessen durch die Mittel, die hernoch gesetzt werden.

   Item dir würd nottan, daß du viel Menschen abmalst und das Allerschönest aus allen nehmest und fermest und das in ein Bild bringest. Wir müssen große Acht haben, daß sich die Ungestalt nit stetig van ihr selbs in unser Werk flecht.

   Item es ist nit müglich, daß du ein schön Bild van einem Menschen allein kann[st] abmachen. Dann es lebt als kein schön Mensch auf Erd, er möcht allbeg noch schöner sein. Es lebt auch kein Mensch auf Erd, der sagen noch anzeigen kann, wie die schönest Gestalt des Menschen möcht sein. Niemands weiß das dann Gott, die Schön zu urteilen. Dovon ist zu rotschlagen, noch Geschicklichkeit muß man sie in ein idlich Ding bringen. Dann wir sehen in etlichen Dingen ein Ding für schön an, in eim anderen wär es nit schön. Unterschiedliche Ding, die beede schön sind, sind nit leichtlich zu erkennen, welches schöner sei.

   Item aus viel Stücken geklaubt, aus viel schöner Menschen, mag etwas Guts gemacht werden.

   Item du söllt auch nit meinen, daß mein nachfolget Beschreiben und Messen hoch van mir gelobt werd, wiewohl ichs auch nit schelten will. Ich halt auch nit, das die ärgest Meinung söll sein. Sie muß auch nit eben also sein und nit anderst. Aber du magst sie anderst doraus machen, wie sie dir gefällt. Und dorum will ich auch nachmals Weg setzen38, wie du all Ding deines Gefallens verkehren magst und dardurch besser Werk erfinden. Doch nehm ein idlicher mein Meinung für gut, bis daß er wahrhaftiglich mit einem Besseren unterricht werd.

   Item durch Messen magstu erfinden zu machen allerlei Gestalt der Menschen, zornig oder gütig, erschrocken oder freudenreich, und dergeleichen, wie da die Zufäll kummen.