Das Objekt ist das Primäre

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Otto Dix

 

Das Objekt ist das Primäre

 

 

 

Quelle: Berliner Nachtausgabe vom 3. 12. 1927. Schmied, Wieland: Neue Sachlichkeit und magischer Realismus in Deutschland 1918-1933. Hannover 1969.

 

Otto Dix, 1891-1969, deutscher Maler, findet durch das Schreckerlebnis des ersten Weltkriegs zu einer expressiven Darstellungsweise, die zu Beginn der zwanziger Jahre einem harten Realismus weicht, einer der Hauptmeister der Neuen Sachlichkeit der zwanziger Jahre, arbeitet in diesen Jahren vorwiegend in Berlin und Dresden, erhält während der nationalsozialistischen Zeit Ausstellungsverbot, siedelt zum Bodensee über, wo er Landschaften malt.

 

 

 

Ein Schlagwort hat die letzten Jahre hindurch die schaffende Künstlergeneration bewegt. „Schafft neue Ausdrucksformen!" lautete die Parole. Ob das aber überhaupt möglich ist, erscheint mir durchaus zweifelhaft. Wenn man sich vor den Bildern alter Meister aufhält oder sich in das Studium dieser Schöpfungen vertieft, wird mir der eine oder der andere gewiß recht geben. Jedenfalls liegt für mich das Neue in der Malerei in der Verbreiterung des Stoffgebietes, in einer Steigerung der eben bei den alten Meistern bereits im Kern vorhandenen Ausdrucksformen. Für mich bleibt jedenfalls das Objekt das Primäre, und die Form wird erst durch das Objekt gestaltet. Daher ist mir stets die Frage von größter Bedeutung gewesen, ob ich dem Ding, das ich sehe, möglichst nahekomme, denn wichtiger als das Wie ist mir das Was! Erst aus dem Was entwickelt sich das Wie!        

 

1927

 

 

 

Farbe und Form allein können nicht das fehlende Erleben und die fehlende Ergriffenheit ersetzen. Ich bin bemüht, mit meinen Bildern zur Sinngebung unserer Zeit zu gelangen, denn ich glaube, ein Bild muß vor allem einen Inhalt, ein Thema haben.        

 

1948

 

 

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Literatur:

 

Conzelmann, Otto: Otto Dix. Hannover 1959.