1914 Das Café du Dôme

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GUILLAUME APOLLINAIRE

 

Das >Dôme' und die >Dômiers<

 

in -.'Paris-Journal', 2. Juli 1914

 

 

 

"Immer ist es Montparnasse, das Aktivität zeigt und jetzt auch noch exportiert.

 

Das Dôme ist ein Café an der Ecke [der Boulevards] Raspail und Montparnasse. Die 'Dômiers -, das sind die deutschen Maler die dort verkehren. Und unter dem Namen der Dom, was in teutonischen Ohren auch Kathedrale bedeutet (ist der echte deutsche Dom nicht die Kneipe?), stellen diese Künstler ihre Werke in der Galerie Flechtheim in Düsseldorf aus.

 

Es sind 23 an der Zahl, die in Paris leben; wenige unter ihnen haben übrigens eine persönliche Note, mehrere sind gute Schüler, die zu Hoffnungen Anlaß geben, einige wahre Künstler, wie Pascin, eine Art moderner Clinchtel, er ist allerdings kein Deutscher, sondern ein Serbe.

 

Die künstlerische Armut Deutschlands ist zur Zeit ebenso bemerkenswert wie seine Geduld beim Versuch, die Geheimnisse der jungen französischen Malerei zu enträtseln. Ich habe nicht die Werke aller ausstellenden Künstler gesehen. Bolz, ein ziemlich scharfsinniger Geist, hat noch nicht zu seiner Persönlichkeit gefunden. Nils de Dardel macht malerische Dinge, er ist Schwede. Ernesto de Fiori zeigt in der Bildhauerei einen Manierismus, der nicht ohne Anmut ist, er ist Italiener. Zu den interessantesten könnte man zweifellos die Maler Georges Kars, einen Tschechen, und Kisling, einen Polen, zählen, allerdings ist die Persönlichkeit des einen wie des anderen noch sehr unausgeprägt. Dann haben wir auch noch Rudolf Levy, der ehemalige Vertrauensschüler der Académie Henri-Matisse.

 

Ich kenne keines der Werke der übrigen ausstellenden Künstler, doch, wie man sieht, sind über die Hälfte dieser Vertreter der deutschen Kunst keine Deutschen; alle malen in Paris; es gibt keinen unter ihnen, bei dem sich der Einfluß der französischen Maler der Indépendants oder des Herbst-Salons nicht sehr stark bemerkbar macht."