2 Von den Säulen

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2. Von den Säulen (Auszüge)

 

 

 

Ob man aber von dem ganzen Bauwerk oder seinen Teilen reden will, acht ich, es sei keinem berühmten Baumeister oder Werkmann verborgen, wie künstlich und meisterlich der alt Römer Vitruuius in seinen Bücheren von der Bständigkeit, Nutzbarkeit und Zierden der Gebäu geschrieben hab, derhalb ihme auch vor anderen zu folgen und sich seiner Lehr zu brauchen ist.

   So ich aber itzo fürnimm, ein Säulen oder zwo, lehren zu machen für die jungen Gesellen, sich darin zu üben, so bedenk ich der Deutschen Gemüt, dann gewöhnlich alle, die etwas Neues bauen wöllen, wollen auch geren ein neue Fatzon darzu haben, die vor nie gesehen wär. Darum will ich etwas anders machen, daraus nehm ein idlicher, was ihm gefall, und mach nach seinem Willen. Ich will auch anzeigen, waraus die Zierd des Hobels und Drehwerks gemacht mügen werden, und Ursachen weisen, wo man sie größer und kleiner brauchen soll, diese Zierden treffen die geraden und runden oder krumme Ding an.

   [Folgt die Anweisung für die richtig proportionierte Zeichnung einer Säule]

    Summa, diese Ding magst du ein idlichs sunderlich allein brauchen, oder eins Teils, oder alle miteinander, und man brauch die zwerch Linien oder nicht, so mag man viel seltsams Dings aus diesen Dingen schneiden und hauen, wer es unter die Hand nimmt, der wird es wohl finden. Zu dieser Säulen mach ein Kaptell, verkehrt auf sechserlei Weis, wie das durch hunderterlei Weg allweg anders mag verkehrt werden ... Aber wer soliche Ding änderen will, der mag dem vorigen allweg ein Widerwärtigs machen, das merk also ... solicher Ändrung ist fast viel. Diese Ding setz ich nit darum daher, daß man sie also muß machen, sunder daß etwas daraus genummen und ein idlicher vermahnt mag werden, was Weiters und Fremdes zu finden; dann in den Teilen ist nit ein Ding allein gut, sunder viel Ding sind gut, wer sie weiß zu machen, darum muß man darnach suchen, wie dann der hochberühmt Vitruuius und ander gesucht haben, und gut Ding gefunden, aber darmit ist nie aufgehaden, daß nit anders, das auch gut sei, gefunden müg werden, und sunderlich in den Dingen, die nit bewiesen mügen werden, daß sie aufs best gemacht sind. Nun will ich das Kaptell auf das schlechtest beschreiben, und mich in viel Dingen bloß der Vierung gebrauchen ahn alle Zierd, doch müssen darnach die Zierd darein gemacht werden, sunderlich so ein Werk groß ist, mag man ein fassen hohlkehlen Stab und alle andre Ding idlichs sunderlich zieren, und etwas Hübsch daraufsetzen oder darein schneiden, tu ihm also.

 

Nun gehört diese Säulen auf ein Posament zu stellen, das mach also. Erstlich mach ein ablange Vierung eins Vierteils lang von der ganzen Säulen mit ihrem Kaptell und Fuß, und machs so breit als die unterst Vierung am Fuß der Säulen ist; dieses Posament soll geviert in Grund gelegt werden ... dies Posament mag manicherlei Weis geziert werden, aber wie ob geschrieben, hab ich solichs hernach gerissen mit seinen Gründen, und daß du wissest, was die Zierd sei, die man mit dem Hobel oder Drehwerk machen kann, so merk, daß sechserlei sunderlicher Ding sind, daraus man solichs erbet. Das erst ist ein platte Fassen, das ander ein Hohlkehlen, das dritt ein ausbogne Wellen, das viert ein Eck, das fünft ein Winkel, das sechst ist die Schlangenlini, die man mag ziehen wie man will. Diese Ding alle mag man alle zusammen brauchen oder eins Teils, man mag sie seicht oder tief machen, flach oder erhaben, weit oder eng, spitz oder stumpf, groß oder klein gegeneinander, breit oder schmal, wie man will. Aber die Bescheidenheit soll ein idlicher Erbeter brauchen, das er an die großen Ding die Zier von größeren Dingen, und an die kleinen Ding kleiner mache, dies will ich hernach mit zweien Fassen, einer langen und kurzen, nebeneinander anzeigen, dann eins idlichen Menschen Vernunft begreift bald, daß ein lang Ding billich dicker sein soll dann ein kürzers seins Geschlechts28. Darum so ein Baumann Gesimswerk oder Türgestell und dergleichen machen will, so soll er die äußeren Ding, die weiterlaufen, von größeren Dingen machen, dann die inneren kürzeren; was dem entgegen gemacht wird, steht übel; das versteh also, mach ein aufrechte Fassen zwischen zweien Linien begriffen, die schneid oben mit einer zwerch Lini ab und bezeichen oben ihre Eck mit a b. Darnach setz auf die Seiten ein Punkten c ungefähr zu Mittel der Fassen, und reiß zwo Streimlini29 a c b c. Darnach  setz die inner Fassen, die kürzer soll werden, mit einer aufrechten Lini neben a b so weit voneinander, als breit du die Leisten wilt haben, und wo sie die Streimlini c a anrührt, do setz ein d. Von dann fahr mit einer zwerch Lini an die anderen Streimlini c b. Da sie rührt, setz ein e. Aus dem c fahr aufrecht herab mit einer Lini, so wird d e recht proportioniert gegen a b, wie das mitsamt den obgemeldten sechs Dingen, die zu den Zierden gehören, auch die Säulen, Kaptell, Füß und Posament, alles hernach ist aufgerissen, und zu gleicher Weis, wie man ihm mit der Fassen tut, also tut man auch mit den anderen vorgemeldten Dingen.

   ...

   Es begibt sich oft, so man in Schlachten ein Feld erobert, daß man dann ein Gedächtnüs oder Säulen an der Statt, da man die Feind erlegt hat, aufricht zu einer Gedächtnüs, was das für Leut sind gewesen, die man überwunden hat; sind das mächtig Leut gewest, mag man von ihrem Zeug, den man erobert hat, ein soliche Säulen machen und aufrichten.

 

   Welicher ein Victoria aufrichten wollt, darum daß er die aufrührischen Bauren überwunden hätt, der möcht sich eins solichen Gezeugs darzu gebrauchen, wie ich hernach lehren will. Erstlich setz ein gevierten Stein, zehen Schuch ein Seiten lang und vier Schuch hoch, der steh noch auf einer gevierten Platten, zweinzig Schuch ein Seiten lang und eins hoch, und auf einen Bühel auf die vier Örter leg gebunden Kühe, Schaf, Schwein und allerlei. Aber auf den öbersten gevierten Stein setz vier Körb auf die vier Ort mit Käs, Butter, Eier, Zwiefel und Kräuter oder was dir zufällt. Darnach leg noch mitten auf diesen Stein ein anderen gevierten Stein, ein Seiten sieben Schuch lang und eines Schuchs hoch, mitten auf diesen Stein setz ein Haberkasten, vier Schuch hoch, unten ein Seiten sechs Schuch und ein halben lang, aber oben bei dem Schloß sechs Schuch lang, und zuoberst auf die Deck 4 Schuch lang, darauf stürz ein Kessel vierthalbe Schuch weit, aber im Boden nun drei Schuch, mitten auf des Kessels Boden setz ein Käsnapf eins halben Schuchs hoch, oben zweier Schuch weit, aber am Boden nit mehr dann anderhalben, den deck zu mit einem dicken Teller, daß wohl überschieß, mitten auf das Teller setz ein Butterfaß, drei Schuch hoch, unten am Boden anderhalben Schuchs breit, aber oben nur eines Schuchs weit, doch die Schnaupen, daraus man geußt, soll fürtreffen; mitten auf dies Butterfaß setz ein wohlgeschickten Milichkrug, dritthalbe Schuchs hoch, im Bauch eines Schuchs weit, aber oben eins halben, aber den Fuß mach unten weiter, und im Milichkrug richt auf vier Scharren, damit man das Kot zusammenraspt, die zeuch über sich fünf Schuch und ein halben, darum bind ein Garben, fünf Schuch hoch, also daß die Scharren ein halben fürtreffen, und häng daran der Baueren Werkzeug, Hauen, Schauflen, Hacken, Mistgabel, Drischflegel und dergleichen; darnach setz zuöberst auf die Scharren ein Hühnerkörble und stürz darauf ein Schmalzhafen, und setz ein traureten Bauren darauf, der mit einem Schwert durchstochen sei. Wie ich das hernach hab aufgerissen.

 

   So ich voren von den längleten Körperen ein wenig angezeigt hab, will ich nun ein festen runden Turen lehren machen, allein das bloß Corpus ohn alle Zierd. Welicher aber einen solichen Turen bauen wölle, der ziere ihn nach seinem Gefallen. Dieser Turen soll gemacht werden in einer Stadt an dem allergelegesten Ort und mitten auf einen Markt gestellt, auf daß man über die ganzen Stadt daraus sehe, und daß sich die Fremden in allen Gassen nach diesem Turen wissen zu richten. Dieser Markt soll auf das allerwenigst so weit sein, daß ein Seiten von seiner Vierung fünfhundert Schuch erlang.

   Auf diesen Platz stell in der Mitt ein runde Stiegen zehen Schuch von achtzehen Staffelen35, und ein jedliche Staffel mach eins Schuchs breit, so wird der Tritt sanft. Und den Diameter oder Ortstrich durch die untersten Staffel, do die Stiegen am breitesten ist, mach hundert Schuch lang, so behält der  Diameter der öbersten Staffel sechshundert und einundvierzig Schuch. Die Stiegen dient, daß man darauf sehen mag, was an dem ganzen Markt geschicht und was man darauf feil hab. Darnach stell mitten auf diese Stiegen den Turen und mach ihn unten vierzig Schuch weit mitsamt der Mauren. Die mach unten dick zehen Schuch, so beleibt der Turen inwendig hohl zweinzig Schuch durch den Diameter. Dieselbig Weiten führ inwendig gerad inauf, daß sie ganz aufrecht steh bis zum Gang, der gemacht soll werden, daselb mach die Mauer fünf Schuch dick, so leint sich die Mauer außen und oben hinein, und wird der Turen oben eins Vierteils schmäler dann unten, das steht ihm wohl an und trägt stark. Darnach mach den Turen von unten auf bis unter die Dachung zweihundert Schuch hoch, so wird er seiner untersten Weite fünfer hoch. Und inwendig im Turen mach an der Maueren zuring herum36 ein flache Schneckenstiegen bis zum Gang hinauf, dermaßen, wenn es not tät; daß man sie auch reiten möcht. Zu dieser Stiegen brauch die Schneckenlini, die im ersten Büchlein in der 17. Figur anzeigt ist. Darnach mach ein schmalen Umgang um den Turen, der Mauren Höhe gleich, der mit dem Gesims und allem nit weiter herabtret dann acht Schuch und lad ihn drei Schuch weit aus. Doch magst du das ober Gesims weiter lassen fürtreten. Darnach setz auf die Turenmaur ein gemauerten Dachung, und zeuch den äußeren Form durch die Lini des ersten Büchleins in der 30. Figur, aber innen hinauf zeuch die Lini mit einem Zirkel, so wird die Dachmauer oben dünner dann unten. Und diese Dachung mach fünfzig Schuch hoch bis unter das Glockhaus. Aber das Glockenhäuslein mach fünf Schuch breit und zehen hoch, und das ober Halbteil machen offen zwischen den Gsimsen mit Säulen versetzt, und die Dachung darauf mach auch zehen Schuch hoch. Und die Gestalt des Dachs wird mit zweien ausbogen Zirkellinien oben zusammengezogen. Darnach mach die Stangenknopf und Fahnen auch zehen Schuch hoch. Des Turners Wohnung soll in der Dachung sein, daß er auf Sech Zeichen geb und die Ohr richt. Dieser Turen ist hernach aufgerissen.