10 Speis der Malerknaben

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10. Speis der Malerknaben

 

       

Salus 1513

 

Dies nachfolget Büchle wird genennt ein Speis der Malerknaben.

 

Dem Menschen ist fast not, daß er etwas künn, van der Nutzbarkeit wegen, die doraus entspringt. Deshalb soll wir all geren lernen. Dann so wir mehr künnen, destmehr werd wir vergleicht der göttlichen Gebildnüs, der do alle Ding wohl kann. Du findest mäncherlei Künst. Nimm dir der eine für, die dir wohl zunutz mag kummen, lern sie, laß dich der Mühe nit befielen88, bis daß du erlangt, das dich erfreuen mag. Aus Begierd künnten wir geren viel, hätten des kein Verdrieß. Dann es ist uns aus Natur eingegossen, daß wir gern alle Ding weßten, dardurch zu erkennen ein Wahrheit aller Ding. Aber unser blöds Gemüt kann zu solcher Vollkummenheit aller Kunst, Wahrheit und Weisheit nit kummen. Aber dorum sind wir nit gar ausgeschlossen van allen Künsten. Wöll wir durch Lernung unser Vernunft schärpfen und uns dorin üben, so mügen wir wohl etlich Wahrheit durch recht Weg und Mittel suchen, lernen erkennen, erlangen und darzu kummen. Dorum der do untersteht zu müßiger Zeit etwas zu lernen, darzu er sich am allergeschicktesten find, Gott zu ehrn, ihm selbs und andern zu Nutz, der tut wohl. Wir wissen, daß ihr viel mäncherlei Künst erfahren und ihr Wahrheit angezeigt haben, das uns itz zugut kummt. Dorum ist es recht, daß einer den anderen unterweis. Wer das geren tut, dem würd von Gott viel verliehen. Und von ihm hab wir alle ... vergebens. Er hab höchstes Lob. Es ist nit bös, daß der Mensch viel lern, wiewohl etlich grob dorwider sind, die do sagen, Kunst mach hoffärtig. Sollt das sein, so wär niemand hoffärtiger dann Gott, der do alle Kunst beschaffen hat. Das kann nit sein. Dann Gott ist das allerbest Gut. Dorum wer viel lernt, der würd so viel besser und gewinnt destmehr Lieb zun Künsten und allen hohen Dingen. Deshalb ist es billig, daß sich der Mensch nit versäum und zu bequemer Zeit etwas lern.

   Dann man findt etlich, die nichts künnen und wöllen auch nichts lernen, verachten die Lehr, sagen, daß viel Übels aus den Künsten entsteh und etlich ganz bös sind. Darwider ist mein Meinung: Ich halt, daß keine bös sei, sunder all gut. Ein Schwert ist ein Schwert, das mag zum Mord oder Gericht gebraucht werden. Dorum sind die Künst an ihn selbs gut. Was Gott beschaffen hat, das ist gut, wiewohl sich des ihr viel mißbrauchen. Ist der kunstreich Mensch frumm und aus Natur gut, so meidt er das Bös und würkt das Gut. Darzu dienen die Künst, dann sie geben zu erkenn Guts und Böses. Etlich Menschen mügen van allerlei Künsten lernen. Aber das ist nit einem idlichen gegeben. Idoch ist kein vernünftig Mensch so grob, er mag etwan ein Ding lernen, darzu ihn sein Lieb am höchsten trägt. Aus solichen Ursachen ist niemand entschuldigt, etwas zu lernen. Nun erkenn ich, daß in unserer tewtzschen Natian bei den itzigen Zeiten viel Moleren der Lernung notdörftig wären. Dann sie manglen der rechten Kunst und haben doch viel große Werk zu machen, darzu fast not wär, daß sie ihre Werk bessreten, so ihr so ein große Zohl ist. Einem idlichen, der unwissend erbet, der erbet schwerer dann der so verständlich erbet. Dorum lernt all recht verstehn. Denselben die nit viel künnen und doch geren lernen wollten, den will ich mein nochfolgete Unterweisung gutwillich mitteilen. Aber mit den Hoffärtigen, die ihn selbs zumessen, sie wissen all Ding und seien die Besten, verachten all ander Ding, will ich unbekümmert sein. Aber van den rechten Künstnern, die das mit der Hand anzeigen, begehr ich demütiglich unterwiesen zu werden mit großer Dankbarkeit. Dorum wer do wöll, der hör und sech, was ich red und mach, und leren das. Dann ich hoff, es soll Nutz bringen und die bessern Künst nit verhinderen, noch dich zwingen zu Versäumnüs besserer Ding. Diese Kunst der Maler würd fürgemacht den Augen. Dann der alleredelst Sinn der Menschen ist das Gesicht. Dorum weiß ich, daß etlichen diese Ding begierlich werden sein, die vor van solchen nie gehört noch gesehen haben in unseren Landen. Dorum wem dies Ding fürkummt, der nehm die Wahl doraus und such Bessrung dorin, wie er will, allein daß allbeg die Wohrheit dobei beleib. Ein idlich Ding, das du sichst, das ist dir gelaublicher, denn das du hörst. So aber beede, gehört und gesehen würd, fass wir das dest kräftiger und beleibt uns beständiger. Deshalb will ich das Wort und das Werk zammentan, auf daß mans dest baß merken müg.

   Unserm Gesicht fällt für allerlei Gestalt, die man ihm fürbringt wie einem Spiegel, und aus Natur sech wir ein Gestalt und Bildnüs viel lieber dann die ander, wiewohl dorum dasselb nit allbeg dest besser oder böser ist. Wir sehen geren schöne Ding, dann es gibt uns Freud. Zu urteilen das Schön steht glaubwirdiger in eines künstreichen Molers Sag dann in der anderen.

   Ein rechte Maß gibt ein gute Gestalt, und nit allein im Gemäl sunder auch in allen Dingen, wie die fürbracht mügen werden.

   Nit unbillich beschreib ich zum Gemäl dienstlich. Dann die Künst des Molens würd gebraucht im Dienst der Kirchen und durch das angezeigt das Leiden Cristy und viel andrer guter Ebenbild, behält auch die Gestalt der Menschen nach ihrem Absterben. Die Messung des Erdrichs, Wasser und der Stern ist verständlich worden durch Anzeigung der Gemäl und würd noch mänchem viel kund durch Anzeigung der Gemäl.

   Zu der Kunst recht werklich, künstlich und schön lieblich zu molen ist schwer zu kümmen, bedarf langer Zeit und ein fast freie geübte Hand. Dorum wer sich dorzu ungeschickt find, der untersteh sich der nicht. Dann es will kummen van den obern Eingießungen. Die Kunst...