09 Von Farben

Nach oben  Zurück  Weiter

9. Von Farben

 

 

Von Farben

Item so du erhabn wilt molen, so es das Gesicht betriegen söll, mußtu der Farben gar wohl bericht sein und im Molen fast auseinanderscheiden, also zu verstehn: Item du molst 2 Röck oder Mäntel, ein weiß, den andern rot. Und wenn du sie schättigst, do es sich bricht, wann an allen Dingen ist Lichts und Finsters, was sich aus den Augen krümmt oder beugt. Wo das nit wär, so wärs alls eben anzusehen, und in solicher Gestalt würd man nüt erkennen denn als viel sich die bloßen Farben auseinanderschieden. Dorum so du den weißen Mantel schättigst, muß er nit so mit einer schwarzen Farb geschättigt sein als der rot. Wann es wär unmüglich, daß ein weiß Ding so ein finsteren Schatten geb als das rot, und würd sich beieinander nit vergleichen. Ausgenummen wo kein Tag hin mag, ist alle Ding schwarz, als in der Finster kannstu kein Farb erkennen. Dorum, obs die Rechnung geb in einem weißen Ding, do einer mit Recht zum Schatten ganz schwarz nützet, wär nit schträflich. Doch kummt es gar selten. Auch soltu dich hüten, so du etwas von einer Farb molst, sie sei rot, blo, braun oder vermischt Farben, wie sie sein, daß du sie im Lichten nit zu viel licht machst, also daß sie aus ihrer Art schlach. Beispiel: ein Ungelehrter besicht dein Gemäl, unter dem ein roten Rock, spricht: »Schau, gut Fründ, wie ist der Rock auf eim Teil so schön rot und auf dem anderen hat er weiß Far oder bleich Flecken.« Dasselb ist sträflich, und hast ihm nit recht getan. Du mußt in solicher Gestalt molen ein rot Ding, daß es überall rot sei, desgeleichen mit allen Farben, und doch erhaben schein. Auch mit dem Schättigen desgeleichen halten, daß man nit sprech, ein schön Rot sei mit Schwarz beschissen. Deshalb hab acht, daß du ein jedliche Farb schättigst mit einer Farb, die sich dorzu vergeleich. Als ich setz ein gele Farb. Soll sie in ihrer Art beleiben, so mußtu sie mit einer gelben Farb schättigen, die dunkeler sei weder die Hauptfarb ist. Wenn du sie mit Grün oder Blob78 absetzt, so schlächts aus der Art und heißt nimmer gel, sunder es würd ein schillrete81 Farb doraus, als man seiden Gewand findt, die van zweien Farben gebürkt sind, item von Bran83 und Blo, das ander braun und grün, etliches dunkelgel und grün, auch kesterbraun84 und dunkelgel, item blo und ziegelrot, auch ziegelrot und veielbraun, und der Farben mäncherlei, das man vor Augen sicht, so man dieselben molt. Und wo es sich bricht allbeg am Abwenden, teilen sich die Farben, daß man sie voreinander erkennt. Demnoch mußt du sie molen. Aber wo sie platt aufliegen, sicht man nun86 ein Farb. Aber nüt destminder so du ein soliche Seiden molst und mit einer Farb tuschierst87, als ein Braun mit dem Blo, so mußtu das Blo noch mit eim sätteren Blo absetzen, wo es ihm nottut. Es kummt auch oft, daß diese Seiden in der Dunkelen ahn der braun Farb gesehen wird, als wenn einer vor dem anderen steht, der ein solichs Kleid anhat. So mußtu dasselbig Braun mit eim sätteren Braun absetzen und nit mit dem Blo. Es geh wie es woll, so muß kein Farb im Tuschieren aus ihrer Art kummen.