07 Lob der Malerei

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7. Lob der Malerei

 

       

Salus 1512

 

Etwas zu sagen, das mehr nütz dann schad ist und das Besser nit verhindert, das mag man hören. Dorum wer do wöll, der hör und sech, was ich mach. Dann die Begierd der Menschen mag aller zeitlichen Ding durch Überfluß also fast gesättigt werden, daß man ihr ürdritz würd, allein ausgenummen viel zu wissen, des würd niemands verdrossen. Es ist uns von Natur eingegossen, daß wir geren viel weßten, dordurch zu bekennen ein rechte Wahrheit aller Ding. Aber unser blöd Gemüt kann zu solcher Vollkummenheit aller Künstn, Wahrhseit und Weisheit nit kummen. Doch sind wir nit gar ausgeschlossen van aller Weisheit. Wöll wir durch Lernung unser Vernunft schärpfen und uns dorin üben, so mügen wir wohl etlich Wahrheit durch recht Weg suchen, lernen erlangen, erkennen und dorzu kummen. Wir wissen, daß ihr viel mäncherlei Künst erfahren und ihr Wahrheit angezeigt haben, das uns zugut kummt. Dorum ist es billich, daß sich der Mensch nit versäum und zu bequemer Zeit etwas leren, dorzu er sich am allergeschicktesten find. Etlich Menschen mügen van allerlei Künsten lernen, aber das ist nit einem idlichen geben. Doch ist kein vernünftig Mensch so grob, er mag etwan ein Ding lernen, dorzu ihn sein Gemüt am höchsten trägt. Deshalb etwas zu lernen ist niemand entschuldigt. Es ist not zu gemeinem Nütz, daß wir lernen und das getreulich unseren Nachkummen mitteilen, ihn nichts verbergen. Auf solchs hab ich mir fürgenummen, etwas zu beschreiben, das den Jungen nit unbegierlich würd sein zu sehen. Dann der alleredelst Sinn der Menschen ist das Gesicht. Dorum ein idlich Ding, das wir sehen, ist uns glaublicher und beständiger, weder das wir hören. So aber beede, gesehen und gehört würd, so faß wir das dest kräftiger. Dorum will ich reden und fürmachen, auf daß mans dest baß fassen und merken müg. Unser Gesicht ist in dem zu vergeleichen einem Spiegel. Dann es fürfällt unserem Gesicht allerlei Gestalt, die man uns fürträgt. Also fällt in unser Gemüt durch die Augen allerlei Gestalt, die wir sehen. Aus Natur sech wir ein Gestalt und Bildnüs viel lieber dann die ander, wiewohl dorum dasselb nit allbeg dest besser oder böser ist. Wir sehen geren schöne Ding, dann es gibt uns Freud. Zu urteilen das Schön, steht glaubwirdiger in eins künstreichen Molers Sag denn in der anderen.

   Ein rechte Maß gibt ein gute Gestalt, und nit allein im Gemäl, sunder auch in allen Dingen, wie die fürbrocht mügen werden. Nit unbillig beschreib ich etwas zum Gemäl dienstlich. Dann die Kunst des Molens würd gebraucht im Dienst der Kirchen und dordurch angezeigt das Leiden Christi, behält auch die Gestalt der Menschen noch ihrem Absterben. Die Messung des Erdrichs, Wasser und der Stern ist verständlich worden durch das Gemäl und würd noch Menschen viel künd durch Anzeigung der Gemäl. Zu der Kunst recht zu molen ist schwer zu kummen. Dorum wer sich dorzu nit geschickt find, der untersteh sich der nicht. Dann es will kummen van den öberen Eingießungen.

   Die Kunst des Molens kann nit wohl geurteilt werden dann allein durch die, die do selbs gut Moler sind. Aber fürwahr, den anderen ist es verborgen, wie dir ein fremde Sprach. In dieser Kunst sich zu üben wär den subtilen müßigen Jungen ein edel Ding.

   Die groß Kunst der Molerei ist vor viel hundert Johren bei den mächtigen Künigen in großer Achtbarkeit gewesen, dann sie machten die fürtrefflichen Künstner reich, hieltens wirdig, dann sie achteten solche Sinnreichigkeit ein geleichförmig Geschöpf noch Gott. Dann ein guter Maler ist inwendig voller Figur, und obs müglich wär, daß er ewiglich lebte, so hätt er aus den inneren Ideen, dovan Plato schreibt, allbeg etwas Neus durch die Werk auszugießen.

   Vor viel hundert Johren sind etlich berühmt Moler gewesen, als mit Namen der Phidias, Praxideles, Abelles, Polteclus, Parchasias, Lisipus, Protogines und die anderen, unter denen etlich ihr Kunst beschrieben haben, und zumal künstlich angezeigt, klar an Tag bracht. Doch sind dieselben ihre löbliche Bücher uns bisher verborgen und vielleicht gar verloren, etwan geschehen durch Krieg, Austreibung der Völker oder Veränderung der Gesetz und Gelauben, das do billig zu bereuen ist van einem idlichen weisen Mann. Es geschicht oft durch die groben Kunstverdrücker, daß die edlen Ingenii ausgelescht werden. Dann so sie die gezognen Figuren sehen in etlichen Linien, vermeinen sie, es sei eitel Teufelsbannung, ehren Gott mit einem Widerwärtigen. Dann menschlich zu reden, so hat Gott ein Mißfall über all Vertilger großer Meisterschaft, die mit großer Mühe, Arbeit und Zeit erfunden würd und allein van Gott verliehen ist. Ich hab oft Schmerzen, daß ich der vorbestimmten Meister Kunstbücher beraubt muß sein. Aber die Feind der Künst verachten diese Ding.

   Item hör auch kein Neuen, der etwas beschrieb und aus ließ gehn, den ich zu meiner Bessrung lesen möcht. Dann ob etlich sind, so verbergens doch ihr Kunst. So schreiben etlich van den Dingen, die solchs nit künnen. Das laut dann zumal blo, dann ihre Wort sind am besten. Wer etwas kann, der merkts gar bald. Auf solchs will ich mit göttlicher Hilf das wenig, so ich gelernt hab, anzeigen, wiewohl solchs ihr viel verachten werden. Do leit mir nit an. Dann ich weiß wohl, daß ein idlich Ding ehe zu schelten dann ein bessers zu machen ist. Ich will auch sölichs auf das verständigst unverborgnlich fürbringen, so ich mag. Und wenn es müglich wär, so wollt ich geren alles das, das ich kann, klar an Tag bringen, das zulieb den geschickten Jungen, die sölche Kunst höher liebn dann Silber und Gold. Ich ermahn auch all die etwas künnen, daß sie sölchs beschreiben. Tüt das getreulich und klar, nit beschwerend, noch führt lang um, die do suchen und geren weßten, auf daß Gottes Ehr und euer Lob groß werd.