04 Notwendigkeit der Lehrbücher

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4. Von der Notwendigkeit neuer Lehrbücher

 

 

Plinius schreibt, daß die alten Moler und Bilhauer, als Abelles, Protognes und die anderen, haben gar künstlich beschrieben, wie man ein wohlgestalte Gliedmoß der Menschen soll machen.

   Nun ist wohl müglich, daß solche edle Bücher seien im Anfang der Kirchen verdrückt und ausgetilgt worden um Haß der Abgötterei willen. Dann sie haben gesagt: Der Jupiter soll ein solche Proporz haben, der Abbollo ein andre, die Fenus soll also sein, der Ercules also, desgleichen mit den andren allen. Sollt noch meinem Zufall ihm also sein und wär dieselb Zeit entgegen gewest, so hätt ich gesprochen: »O liebn heilgen Herren und Väter, um des Bösen willen wöllt die edlen erfundenen Kunst, die do durch groß Mühe und Erbet zusammenbracht ist, nit so jämmerlich töten. Dann die Kunst ist groß, schwer und gut, und wir mügen und wöllen sie mit großen Ehren in das Lob Gottes wenden.«

   Dann zu gleicher Weis, wie sie die schönsten Gestalt eines Menschen haben zugemessen ihrem Abgott Abblo, also wollen wir dieselb Moß brauchen zu Crysto dem Herren, der der Schönste aller Welt ist. Und wie sie braucht haben Fenus als das schönste Weib, also woll wir dieselb zierlich Gestalt kräuschlich darlegen der allerreinesten Jungfrauen Maria, der Mutter Gottes. Und aus dem Erculeß woll wir den Somson51 machen, desgeleichen wöll wir mit den andern allen tan.

   Solcher Bücher hab wir aber nimmer, und dorum, so ein verlorn Ding unwiederbringlich ist, alsdann muß man noch eim anderen trachten. Sölchs hat mich bisher bewegt, daß ich unterstanden hab mein nochfolgete Meinung fürzulegen, auf daß, so es etlich lesen, ihm weiter nochdenken, und daß man täglichs zu einem näheren und besseren Weg und Grund kümmen müg. Und will aus Maß, Zahl und Gewicht mein Fürnehmen anfohen. Wer Achtung dorauf hat, der würds hernoch also finden.