03 Maß des Menschen

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3. Vom Maß der menschlichen Gestalt

 

         Von der Gliedmoß des Menschen

Vitrufius der alt Baumeister, den die Römer zu großem Gbäu braucht haben, spricht: Wer do bauen woll, der soll sich verrichten auf der Geschicklichkeit des Menschen, wann aus ihm würd funden gar verborgne Heimlichkeit der Moß.

   Und dorum so will ich, eh ich sag vom Gebäu, erzählen, wie ein wohlgestalter Mensch mag sein. Dornoch ein Beibsbild, ein Kind und ein Roß. Auf solich Weg magstu beiläufig all Ding messen.

   Und dorum hör zum ersten, was do spricht Fittruvius von der menschlichen Gliedmoß, die er gelehrt hat von den großen Meisteren, Moler und Gießer, die hochberühmt sind gewest. Die haben gesprochen, daß der menschlich Leib also sei:

   Daß das Angsicht von Kinn bis aufhin, do das Hoor anfächt, sei der 10 Teil des Menschen. Und ein ausgestreckte Hand s[e]i och so lang. Aber der Kopf des Menschen sei ein Achtteil, ein 6 Teil von der Höhe der Brust bis hinauf, do das Hoor anfächt, und vom Haar bis zum Kinn in 3 Teil geteilt, im obersten die Stirn, im anderen die Nas, im dritten der Mund mit dem Kinn. Auch ein Fuß45 sei ein 6 Teil eins Menschen, ein Ellbogen ein 4 Teil, die Brust46 ein 4 Teil.

   Solich Gliedmoß teilt er alle in die Gebäu und spricht: Wenn man ein Mensch auf die Erd ausgebreit mit Händen und Füßen [n] iederlegt und ein Zirkel in den Nabel setzt, so rührt der Umschweif Händ und Füß. Domit bedeut er zu finden ein runden Bau aus der menschlichen Gliedmaß.

   Und zu gleicher Weis findet man auch ein Vierung, wenn man mi[ß]t von den Füßen bis zu dem Höchsten, so ist die Klofter eben als breit als die Läng. Domit erweist er die gevierten Bäu. Und also hat er zammenbrocht die Glieder der Menschen in ein vollkummne Zahl des Gebäus in solicher bewährlicher Ordnung, daß sie weder die Alten noch die Neuen nit verwerfen künnen. Und wer do will, der les ihn, wie er die besten Ursach des Gebäus anzeicht.