Wyss, Beat - Zitate

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Beat Wyss

(1947)


Kunsthistoriker (Schweiz)

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"Kunst ist gerade nicht der Beleg des Bewußtseins, sondern dessen Schattenspiel: der verräterische Hinweis darauf, was beim Prozeß der Bewußtwerdung unterschlagen blieb. So wenig die rationale Verstandestätigkeit zur Kreativität taugt, so wenig ist sie berufen, ästhetische Maßstäbe zu setzen."

 


"Kunst ist naturgemäß an die Sinne gebunden. Wankelmütig und begehrlich sind ihre Visionen, wie die leiblichen Wünsche des Menschen; ihre Launigkeit kann vor der reinen Vernunft nicht bestehen. Als Komplizin der sinnhaften Natur wird sie verschwinden müssen, sobald der Geist sich restlos realisiert hat. Hegel sah in der Kunst nur das Vorspiel zur Wahrheit; in ihren besten Erzeugnissen reichte sie allenfalls zur »Ahnung des Begriffs«."

 


"Das Wort »Scheinen« ist bei Platon mit dem Odium der mangelnden Wahrhaftigkeit belegt. Diesen Makel hat auch die Kunst: Sie täuscht Seiendes vor; sie ist nicht das, was sie scheinen macht. Hegel hingegen verteidigt das Moment des Scheins an der künstlerischen Botschaft. Kunst scheint: sowohl im Sinne von »videtur« als auch im Sinne von »lucet«. Im deutschen Wort flimmern beide Bedeutungen ineinander. Kunst ist der lichte Trug; ihre Täuschung geschieht um der Wahrhaftigkeit willen; ihr Scheinen gleicht der Wahrheit, denn: »Der Schein selbst ist dem Wesen wesentlich, die Wahrheit wäre nicht, wenn sie nicht schiene und erschiene, wenn sie nicht für Eines wäre, für sich selbst sowohl als auch für den Geist überhaupt.« (Hegel, Aesthetik I)"

 


"Die Rückbindung des ästhetischen Ausdrucks an den gesellschaftlichen Konsens weist der Kunst wieder eine Stelle zu, wie sie einst in der Feudalkultur üblich war. Kunst ist Apotheose der Wirklichkeit: die ideale Abspiegelung der realen Verhältnisse."