Tolstoi, L.N. - Zitate

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Lew Nikolajewitsch Tolstoi

(1828-1910)

 


Schriftsteller (Russland)

 

 


"Ich sage: Die Kunst ist eine ansteckende Tätigkeit, je ansteckender sie ist, um so besser ist sie."

 


"Nach Hegel (1770-1831) offenbart sich Gott in Natur und Kunst in der Form des Schönen. Gott äußert sich zweifach: im Objekt und im Subjekt, in der Natur und im Geist. Schönheit aber ist Durchscheinen der Idee durch den Stoff. Das wahrhaft Schöne ist nur Geist und alles, was des Geistes teilhaftig ist, und deswegen ist das Naturschöne nur ein Reflex des dem Geiste angehörigen Schönen: das Schöne hat nur geistigen Gehalt. Erscheinen aber muß das Geistige in der Form der Sinnlichkeit. Die sinnliche Äußerung des Geistes ist nur Anschein (Schein). Und dieser Schein ist die einzige Wirklichkeit des Schönen. Die Kunst ist also Verwirklichung dieses Scheinens der Idee und ist, zusammen mit Religion und Philosophie, ein Mittel, um die grundlegendsten Aufgaben der Menschen und die höchsten Wahrheiten des Geistes zum Bewußtsein zu bringen und auszusprechen."

 


"Etwas, das ich schon früher einmal gedacht und notiert habe: Kunst ist eine Fiktion. Es gibt die Verlockung, sich mit Puppen, Bildchen und Liedern, mit dem Spiel und mit Märchen die Zeit zu vertreiben, das ist alles."

 


"Nach Cherbuliez ist Kunst eine Tätigkeit, die 1. unsere angeborene Liebe zu den Erscheinungsbildern (apparences) befriedigt, 2. Ideen in diese Erscheinungsbilder hineinträgt und 3. gleichzeitig unseren Sinnen, unserem Herzen und unserem Verstand Genuß verschafft."

 


"Häßlichkeit und Schönheit eines Gegenstandes hängen also nach Fichte vom Standpunkt des Betrachters ab. Deswegen findet sich das Schöne auch nicht in der Welt, sondern im »schönen Geist«. Kunst ist nun Offenbarung dieses schönen Geistes, und ihr Ziel ist die Bildung nicht nur des Verstandes — das ist Sache des Gelehrten —, nicht nur des Herzens — das ist Sache des moralischen Volkslehrers —, sondern des ganzen Menschen."

 


"Die Kunst kann der großen Masse nicht deswegen unverständlich sein, weil sie gut ist, wie dies die Künstler unserer Zeit gern behaupten. Eher muß man annehmen, die Kunst ist der großen Masse nur deswegen unverständlich, weil diese Kunst eine sehr schlechte oder vielleicht überhaupt keine Kunst ist. (...) Es wird gesagt, die Kunstwerke gefielen dem Volk nicht, weil es nicht fähig sei, Kunst zu begreifen. Wenn aber der Zweck eines Kunstwerks darin besteht, auf andere das Gefühl zu übertragen, das der Künstler empfand, wie kann dann von Nichtbegreifen die Rede sein?"

 


"Sobald die Kunst aufhört, Kunst des ganzen Volkes zu sein, und zur Kunst einer kleinen Klasse von Begüterten wird, ist sie nicht länger notwendig und wichtig, sondern wird zur leeren Unterhaltung."

 


"Er griff nach der Palette und fing an zu arbeiten...fühlte sich aber noch zu erregt dazu. Er konnte ebenso wenig arbeiten, wenn er zu kühl und sachlich war, wie dann, wenn er, allzu sensibel, alles zu scharf und deutlich sah. Er brauchte eine gewisse Mitte zwischen kühler Nüchternheit und entrückender Verzückung."

 


"Kunst ist das Mirkoskop, das der Künstler auf die Geheimnisse seiner Seele einstellt, um diese allen Menschen gemeinsamen Geheimnisse allen zu zeigen."

 


"So wie es sich aus der Theorie der Kunst für die Kunst ergibt, daß die Beschäftigung mit all den Gegenständen, die uns gefallen, Kunst ist, so ergibt es sich aus der Theorie der Wissenschaft, daß das Studium von Gegenständen, die uns interessieren, Wissenschaft ist."

 


"Von einem Kunstwerk zu sagen, daß es gut, aber für die meisten Menschen unverständlich ist, ist so, als ob man von einer Speise sagte, daß sie sehr gut sei, die meisten Menschen sie aber nicht essen können."