Hauser, Arnold - Zitate

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Arnold Hauser

(1892-1978)

 


Literatur- und Kunstsoziologe (Ungarn, Deutschland, England))

 

 


"Freud hatte nichtsdestoweniger im Grunde Recht: die Kunst ist eine große Trösterin und Beschwichtigerin; sie mag wohl nicht einfach die Quelle einer "Ersatzbefriedigung" sein, sie ist aber stets eine Korrektur des Lebens und stellt die wertvollste Kompensation für die Unzulänglichkeiten des Daseins dar" (1958)

 


"Die Kunst ist ein Mittel, die Dinge der Welt in Besitz zu nehmen - sei es durch Gewalt, sei es durch Liebe."

 


"Die Technisierung der Kunst ist freilich so alt wie die Kunst selbst. Jeder künstlerische Ausdruck setzt ein technisches Verfahren voraus, jede Kunst ist an einen Apparat, eine technische, werkzeugartige Verrichtung gebunden, einerlei, ob das Instrument, dessen sich der Künstler bedient, ein Pinsel oder eine Filmkamera, eine Radiernadel oder eine Webmaschine ist."

 


"Eine Kunst ist sinnlos, wenn ihre formalen Bestandteile keine inhaltliche Funktion haben, oder sie erscheint sinnlos, wenn diese Funktion nicht erkannt wird und die Form als willkürlich oder bizarr wirkt. Solange eine Kunst jung und verhältnismäßig traditionslos ist, d. h. keine stehenden und erstarrten Formen aufweist, sind Ausdrucksgehalt und Ausdrucksmittel in einer natürlichen und unproblematischen Weise miteinander verbunden. Die Formen entstehen mit den Inhalten, oder es führt jedenfalls ein direkter und scheinbar zwangsläufiger Weg vom Thematischen zum Formalen."

 


"Die Kunst ist eine Legende und kein Abbild des Daseins, der Ausdruck und nicht der Besitz der Realität - ein »Sagen« und nicht ein »Haben«, wie Flaubert es formuliert."

 


"Der Künstler mag neurotisch sein, und das Kind, der Wilde oder der Irre mögen Dinge von künstlerischem Wert hervorbringen, die Kunst ist nie das Produkt der Neurose, des Irrsinns oder einer primitiven Geistesverfassung."

 


"Die Kunst ist aber in Wirklichkeit entweder direkte Darstellung, mittelbare oder unmittelbare Propaganda oder formale Deutung, die einen symbolischen Sinn haben kann, doch nicht haben muß."

 


"Die Kunst ist stets eine Ausflucht: sie entfernt sich von der Wirklichkeit oder vergewaltigt sie, um sie erträglicher und lenksamer erscheinen zu lassen."

 


"Jede Kunst ist eine Art Donquijotismus, d. h. ein Versuch, die Welt den Ansprüchen des Individuums anzupassen, der auf die Forderungen einer unerträglichen Wirklichkeit mit der Entwicklung von irrealistischen Ideen antwortet. Sowohl der Künstler als auch der Narr verzichten lieber auf die Welt als auf ihre eigenen Postulate und Ideale."

 


"Alle Kunst ist sozial bedingt, doch nicht alles in der Kunst ist soziologisch definierbar. So vor allem die künstlerische Qualität nicht; diese hat kein soziologisches Äquivalent."

 


"Wenn der Paläolithiker ein Tier an den Felsen malte, so schaffte er ein wirkliches Tier herbei. Für ihn bedeutete die Welt der Fiktionen und Bilder noch keinen eigenen, von der Erfahrungswirklichkeit verschiedenen und geschiedenen Bezirk; er konfrontierte die beiden noch nicht miteinander, sondern sah in der einen die unmittelbare, abstandlose Fortsetzung der anderen."

 


"[Die Zeichnung wurde für die Renaissance] zur Formel der künstlerischen Schöpfung, denn sie brachte das Fragmentarische, Unvollendete und Unvollendbare, das schließlich jedem Kunstwerk anhaftet, am auffallendsten zur Geltung [...] Für das Mittelalter hatte das Kunstwerk nur einen gegenständlichen Wert, die Renaissance legte ihm auch einen Persönlichkeitswert bei."

 


"Eines steht fest: Wenn das Kunstwerk jene Magie, jene 'Aura' allmählich verliert, die es im frühen Mittelater noch besessen hat [...], so hängt das teilweise auch zusammen mit dewm Verlust der Einzigartigkeit, der Unvertauschbarkeit, der Unersetzlichkeit des Kunstwerks durch seine mechanische Wiederholung."

 


"Das impressionistische Sehen verwandelt das Naturbild in einen Prozess, in ein Entstehen und Vergehen [...] Die Wiedergabe des subjektiven Sehaktes statt des objektiven Substrats des Sehens, womit die Geschichte der modernen, perspektivischen Malerei beginnt, gelangt hier zu ihrer Vollendung. Die Darstellung des Lichts, der Luft und der Atmosphäre, die Zerlegung der Farbflächen in Flecken und Tupfen, die Auflösung der Farbe in Valeurs, in perspektivische und atmosphärische Ausdruckswerte, das Spiel der Lichtreflexe und der aufgehellten Schatten [...] die ganze Primamalerei mit ihrer geschwinden, skizzierenden Zeichnung [...] das virtuose Ungefähr der Wiedergabe drücken letzten Endes nichts anderes aus, als jenes Gefühl einer bewegten, dynamischen, in fortwährender Veränderung begriffenen Wirklichkeit."