Breton, Andrè - Zitate

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André Breton

(1896-1966)

 


Psychologe, Theoretiker (Frankreich)

 

 


"die einfachste surrealistische handlung besteht darin, mit revolvern in den fäusten auf die straße zu gehen und blindlings soviel wie möglich in die menge zu schießen. wer nicht wenigstens einmal im leben lust gehabt hat, auf diese weise mit dem derzeit bestehenden elenden prinzip der erniedrigung und verdummung aufzuräumen, der gehört eindeutig selbst in diese menge und hat den wanst ständig in schußhöhe."

 

 


"Es ist untragbar, dass die Zeichnung, die Malerei, noch heute da stehen, wo die Schrift vor Gutenberg stand." (1934)

 


"Ich glaube an die künftige Auflösung dieser scheinbar so gegensätzlichen Zustände von Traum und Wirklichkeit in einer Art absoluter Realität, wenn man so sagen kann: Surrealität. Nach ihrer Eroberung strebe ich, sicher, sie nicht zu erreichen, zu unbekümmert jedoch um meinen Tod, um nicht zumindest die Freuden eines solchen Besitzes abzuwägen."

 


"Die Kunst ist keine Unterwerfung, sie ist Eroberung."

 


"Sagen wir es frei heraus: das Wunderbare ist immer schön; jegliches Wunderbare ist schön; schön ist überhaupt nur das Wunderbare..."

 


"Ein für alle Mal: Das Wunderbare ist immer schön, gleich welches Wunderbare ist schön, es ist sogar nur das Wunderbare schön."

 


"Um 1910 begann der Aufstand, in Frankreich mit dem Kubismus, in Deutschland mit der ungegenständlichen Kunst. Von nun an verlief er in zwei deutlich voneinander getrennten Bahnen, die eine ganz mit westlicher Kultur getränkt, an deren Spitze Picasso steht, die andere, östlicher Kultur, wird von Kandinsky bestimmt. Unter der Führung Picassos wird dem sichtbaren Objekt der Kampf angesagt. Man legt es auseinander, um es uns gleichzeitig unter allen seinen statischen Aspekten preiszugeben. Wenn man so mit dem Gegenstand umspringt, wird er bald unkenntlich. Noch ist die Bestürzung und Empörung des Publikums, als es den glorreichen kubistischen Saal im Salon der Unabhängigen von 1912 betrat, nicht vergessen. Dieses Publikum, das sich so darüber entrüstete - und der ungebildete Teil hat sich immer noch nicht beruhigt -, daß man es zum Narren hielt, mußte sich wohl insgeheim betrogen fühlen. Es war, als beraubte man es der Sicherheit des eigenen Schrittes, der wohltuenden, aber bei genauerem Hinsehen doch recht armseligen Befriedigung, die es beim Anblick einer 'getreuen' Wiedergabe von vertrauten Dingen empfindet. Die Tragweite dieses Angriffes schien so groß, daß selbst Valéry sich lange Zeit nicht damit abfinden konnte. Noch vier oder fünf Jahre später schrieb er nach dem Besuch einer Kubistenausstellung: 'Wie soll man den Kubisten A von dem Kubisten B oder C unterscheiden?' In den Augen dieses Dichters, dem geistige Klarheit über alles ging, hatte der Sandsturm gleichzeitig mit dem Modell auch die Individualität des Künstlers hinweggefegt. Dieses etwas vorschnelle Urteil , das die Zeit bald berichtigen sollte, läßt uns aber die Gewalt des kubistischen Angriffs ermessen. Bedauerlich ist nur, daß die Kubisten nach dreißig Jahren ihre ursprünglichen Absichten und ihre Stilmittel immer noch zu verschleiern suchen. Da seine großen Vertreter und die wichtigsten Zeugen sich in Schweigen hüllen, müssen wir uns mit Mutmaßungen und Bruchstücken abfinden."

 


"Der Surrealismus beruht auf dem Glauben an die höhere Wirklichkeit bislang unbeachteter Assoziationsformen, dem Glauben an die Allgewalt des Traumes und das von aller Zweckhaftigkeit gelöste Spiel des Denkens. Er will alle anderen psychischen Mechanismen endgültig überwinden und ihren Platz bei der Lösung der wichtigsten Lebensprobleme einnehmen."