Vasarely, Victor - Zitate

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Victor Vasarely

(1906-1997)

 


Maler, Graphiker, Plastiker (Ungarn, Frankreich)

 

 


"Durch die Loslösung vom Figurativen haben wir das Anekdotische ausgeschaltet: die reine Plastizität bricht mit dem Literarischen. Eine Annäherung an die mathematischen Wissenschaften zeichnet sich ab ... Eine parallele Erscheinung zur Musik." (1952)

 


"Jedes für die breite Öffentlichkeit bestimmte Kunstwerk muß notwendigerweise vergrößert werden: 1) vergrößert im eigentlichen Wortsinn in der Architektur (Fresken, Tapisserien, Glasmalerei, Mosaik, Integrationen usw.); 2) vergrößert im quantitativen Sinn in der Edition (Bücher, Zeitschriften, Illustrationen, Sammelmappen); 3) vergrößert durch Lichtbildprojektion oder Kinematographie (Diapositive, Filme, Fernsehen). Die quantitative Vergrößerung oder das "In-Funktion-Setzen" ist in allen Fällen eine zweite Schöpfung (Nach-Schöpfung), gezeichnet vom Schöpfer oder Nach-Schöpfer. Er zeichnet! Und darauf kommt es an! " (1953)

 


"Ich träume von einer sozialen Kunst. Ich setze ein tiefes Verlangen des Menschen nach Plastik voraus, genau so wie er ein Verlangen nach Melodie, Rhythmus oder Poesie hat. Ich glaube, daß jetzt die Voraussetzungen dafür gegeben sind, um dieses natürliche Verlangen des Menschen nach sinnlichen Freuden zu befriedigen." (1953)

 


"Die Kunst ist artifiziell, das Eigentliche der Kreativität ist es, sich von der Natur zu trennen, und nicht, sich mit ihr zu verbinden." (1953)

 


"Durch Überlegungen bin ich zu folgender Hypothese gekommen: Die proportionale Vergrößerung des "Motivs" ist notwendig geworden durch die Vergrößerung der Geschwindigkeit in allen Bereichen unseres Lebens. Diese Geschwindigkeit zwingt uns, ungeduldig und hastig zu sein. Wir geben uns keinen langen Kontemplationen mehr hin, wir haben die Liebe zum Detail verloren. Unsere Existenz ist kompliziert geworden ... Wir verlieren enorm viel Zeit... Wir wollen daher schneller aufnehmen, wir suchen den direkten, kraftvollen momentanen Schock. Große Formen, krasse Lokal-Farben kommen diesem neuen menschlichen Verlangen entgegen." (1953)

 


"Es muß ein Bild gemacht werden, dem der Magier Zeit nichts mehr hinzufügen und nichts mehr wegnehmen kann." (1954)

 


"Nichts ist weniger naturalistisch als ein Vinci oder Cezanne; nichts ist näher dem Abstrakten als ein Piero oder Vermeer. Ein Kunstwerk, das der Natur gleicht, ist unnütz. Kunst ist artifiziell und keineswegs natürlich; schaffen heißt nicht, die Natur imitieren sondern ihr gleichkommen und sie sogar übertreffen durch eine Erfindung, deren unter allen Lebewesen nur der Mensch fähig ist." (1954)

 


"Mit dem wachsenden Bedürfnis, meine auf dem Gebiet abstrakter plastischer Ausdrucksformen gemachten Entdeckungen in die diskursive Sprache zu übersetzen, stellte ich eine erstaunliche Übereinstimmung zwischen meinen Funden und den bereits großartig formulierten Fakten der Wissenschaft fest. Es ging mir nicht darum, in die Rechte anderer, esoterischer Disziplinen einzugreifen, die mir ohnehin versagt bleiben mußten, weil es für einen Einzelnen einfach unmöglich ist, sich die notwendigen umfassenden Kenntnisse anzueignen. Aber wird nicht Kunst aus eben dem Grunde geschaffen, um eine intuitiv begriffene Entsprechung zu den Erkenntnissen zu liefern, die einem auf ewig verschlossen bleiben?" (1959)

 


"Die Einsicht lehrt uns, nachsichtig gegenüber anderen, unnachsichtig aber uns selbst gegenüber zu sein. Wenn wir aber den Regungen des Herzens zu sehr nachgeben, finden wir uns selbst bald in der Lage des Schwachen und zum Rückzug gezwungen. Der Einsiedler in der Wüste hat noch niemals der Menschheit genützt." (1959)

 


"Wenn die Künste nur den Satten als poetische Nahrung dienen - wer wird sich damit befassen, Kunstformen für die Habenichtse unserer Tage zu schaffen?" (1959)

 


"Was ist die Lebensdauer eines Kunstwerks, selbst wenn sie Jahrtausende zählt, verglichen mit den Zeiträumen der Geologie oder der Astronomie? Aber dennoch ist wohl das Licht oder die Wärme, die der Mensch zu verströmen fähig ist, um sich aufzuheitern oder sich rühren zu lassen (und sei es nur für ein paar Augenblicke), alle Mühen wert. Da es die Kontinuität gibt, dürfen wir optimistisch sein." (1959)

 


"Wenn das Kunstprodukt nicht den Rahmen der Elite der "Kenner" sprengt, ist die Kunst zum Erstickungstod verurteilt." (1959)

 


"Diejenigen, die Wissenschaft gemeinverständlich darzustellen versuchen, können das große Verdienst für sich in Anspruch nehmen, eine "allgemein verständliche Sprache" geschaffen zu haben, die uns die Welt und das Universum wenn nicht "exakt", so doch "intuitiv" verständlich nahezubringen vermag. Auf eine angemessene Weise die Dinge zu "fühlen", bedeutet sie ein wenig auch schon zu "verstehen". Ist es nicht von großer Wichtigkeit, in einer notwendigerweise durch Scheidewände getrennten Welt die Möglichkeit der Osmose zu schaffen, die Hermetik aufzubrechen, um eine in allen Bereichen des menschlichen Tätigseins fast identische Bewegung durchzusetzen? Die Durchmusterung des Wissens und der Kulturen aller Orte und Zeiten macht große Fortschritte. Dank der Elektronik werden unsere Kinder deren Wesentliches frei zur Verfügung haben. In der Zwischenzeit scheint es mir unerläßlich, eine doppelte Anstrengung zu unternehmen: Kunst zu schaffen, sie zu lesen und dann in eine allgemeinverständliche Sprache zu übersetzen. Denn wenn das stumme Universum der Formen-Farben auch genügt, um die Dinge in Bewegung zu halten, fordert der Verstand doch mehr. In dem Augenblick, wo man über ein Gemälde anfängt zu reden, kann man, muß man das Höchste über es sagen. Die Äußerungen und Schriften der Künstler tragen nachdrücklich zur Schaffung einer "Wissenschaft von den Künsten" und ihres Vokabulars bei, denn es sind ja schließlich die wissenden Künstler, die zunächst an der Quelle sitzen." (1959)

 


"Im Leben eines jeden Schaffenden tritt eine Periode der Vor-Gewißheit ein, in der Eroberungen und Niederlagen einander abwechseln. Der Weg bis dahin ist schon lang und wechselhaft. Mit Bestimmtheit ist aber gerade dies eine sehr fruchtbare Periode. Denn wenn der Weg einmal gefunden ist, läßt die Riesenarbeit der Ausarbeitung, der Klärung, der Festigung und schließlich der Verbreitung des vollendeten Kunstwerks keine Zeit mehr für gewagte Forschungsunternehmen. Von da an schöpft der Künstler aus seinem Werk, nicht mehr aus sich selbst. Melancholie, aber auch Gerechtigkeit des Schicksals: denn um ihn herum ist inzwischen bereits die nächste Generation tätig geworden und dabei, die neue Kunst ihrer Zeit zu schaffen." (1960)

 


"Es herrscht das Wunschdenken, daß der Künstler unpolitisch, reaktionär oder schlimmeres sein solle, daß er sich nicht zu informieren brauche und die technischen und sozialen Errungenschaften ruhig verachten könne, daß er - mit einem Wort - am Rande des Lebens in seinem Elfenbeinturm zu leben habe. Ein solcher Künstler (und die meisten sind solche) wird nicht die Kunst seiner Zeit schaffen. Für einen, der sich seiner selbst wirklich bewußt ist, ist es unvorstellbar, nicht von allem, was um ihn herum passiert, betroffen zu sein. Kunst ist vom Leben untrennbar, und jede authentische Schöpfung kann nichts anderes sein als ein Akt der Revolution." (1960)

 


"Wir sollten niemals die Tatsache aus den Augen verlieren, daß die wahrhaften Neuerer immer in der kleinen Minderheit gewesen sind. Ihre Äußerungen und Taten sind um so schwieriger zu entdecken, zu erklären und anzuerkennen, weil noch keine geläufige Formel für ihre Erklärung und die Einordnung dessen existiert, was sie sagen und machen." (1960)

 


"Jede große bildende Kunst war, ist und wird avantgardistisch sein. Alles übrige, und das ist bei weitem der größere Teil, ist bloßer Bodensatz, aus dem die Gipfel der wahrhaft großen Werke herausragen." (1964)

 


"Das Kunstdenken und die Philosophie des Künstlers werden sich unter dem Einfluß der dialektischen Maschine - Presse, Radio, Fernsehen - von Grund aus ändern. Der in seinem Elfenbeinturm eingeschlossene Künstler wird einem Wesen Platz machen, das informiert oder sogar gelehrt, aber zumindest den Vorgängen offen ist, die sich um ihn herum ereignen. Er verwandelt sich von einem inspirierten Zuschauer in einen wissenden Teilnehmer, der fähig ist, Synthesen zu bewerkstelligen." (1965)

 


"Die enge Zusammenarbeit von Unternehmern, Industriellen, Städtebauern, Architekten und Ingenieuren mit Malern, Bildhauern, Farbgestaltern und Plastikern wird unentbehrlich ... Man sollte einen Ort der Zusammenkunft planen für den Austausch und die Kommunikation von Ideen ... Nichts erscheint mir wichtiger, als der Bau von polychromen Städten des Glücks." (1967)

 


"Die Kunst ist künstlich und keineswegs natürlich. Schaffen heißt nicht die Natur nachahmen, sondern ihr gleichkommen und sie sogar mittels einer Erfindung, deren unter allen Lebenden nur der Mensch fähig ist, übertreffen."