Rauch, Neo - Zitate

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Neo Rauch

(1960)

 


Maler (Deutschland)

 

 


„Ich habe Leimruten ausgeworfen.“

 


„Im glücklichen Italien fällt mir nichts ein.“

 


"Wenn mir schon nicht die Perspektive des Mannes auf dem Mond möglich ist, dann doch wenigstens die des Blickes aus dem Augenwinkel heraus. Die Wahrnehmungen aus dem Augenwinkel heraus kommen ja eigentlich in ihrer poetischen Substanz den Traumbildern gleich. Jeder kennt das. Du nimmst etwas wahr aus dieser Sichtlage heraus und man wendet sich dem zu, und es ist weg."

 


"Manche Dinge umgibt ein abwaschbarer Vorhang aus Ironie. Dinge, die mich tief berühren, die aber, wenn ich es pur ausstellen würde, in den Kitsch hineingehen würden."

 


"Ich bin mir klar darüber, dass ich im Grenzbereich agiere, wo es abschüssig wird und die Gefahr lauert, mich im Erzählen zu verlieren. Aber das muss der Künstler: sich in Gefahr begeben. Die Moderne als Endzustand und Klassenziel: das ist ein deutsches Missverständnis."

 


"Für mich bedeutet Malen die Fortsetzung des Traums mit anderen Mitteln."

 


"Denn das wäre ja etwas außerordentlich Anstrebenswertes: Dass jemand etwas anbietet, das man so noch nicht gesehen hat. Nicht im Sinne von etwas Spektakulärem, sondern im Sinne einer Freilegung von Verschüttetem, Verstelltem und Verlorenem."

 


"Die Titelfindung ist nicht selten ein mühsamer Prozess, denn mein Interesse am etymologischen Wurzelwerk auch des banalsten Begriffs führt mich in Bedeutungssedimente, die den Intentionen des Malerischen mitunter unerwartete Impulse zusenden. Zuweilen jedoch vermag ein Wort ein Bild auszulösen! Es kommt vor, dass ein Wort einen unheimlichen atmosphärischen Sog in Richtung eines sich wie von selbst erzeugenden Bildes entwickelt, dem ich dann nur noch ordnend zu assistieren habe. Solche Momente sind kostbar und sie binden mich noch enger an meine Muttersprache, denn nur hier sind derartige Erfahrungen möglich."

 


"Das Dargestellte soll letztlich Privatangelegenheit bleiben, die Malerei selbst jedoch als Profession und Ziel erscheinen."

 


"Das Museum kann geradezu ein Entfaltungsraum für spirituelle Impulse sein, es kann ein Geländer anbieten, an dem man seine Fassung wiederfinden kann. Denn alles, was ansonsten an Instituten, Aufführungsorten und Transportmitteln zu passieren ist, ist ja eher dazu angetan, die Mensachen fassungslos zu machen. Viele befinden sich ja im Zustand tiefgreifender Fassungslosigkeit, um nicht zu sagen: Haltlosigkeit. Und ein Museum kann Fassungen anbieten und Kunstwerke sind auch Versuche, Fassung zu erlangen, etwas zu fassen, einzufassen, zu bündeln."

 


"Die Partikel werden [...] auf den Flächen zu für mich völlig neuen Bedeutungszusammenhängen verkettet und verwoben. Daher kommt auch dieser Stückwerk- und Collagecharakter der Bilder, der mir nicht unwillkommenh ist. Man kann den Eindruck haben, das Bild wäe nur eine Möglichkeit, das Inventar zu arrangieren, man könnte die Elemente auch verschieben. Nicht dass die Kompositionj leger wäre, aber das Material selbst, so habe ich es jedenfalls gern, legt den Wunsch nach Greifen und Verrücken nahe, auch im Sinne von Ver-Rücktheit."

 


"Ich begreife den Vorgang des Malens als außerordentlich kreatürliche, geradezu dem Atmen nahestehende Form der Weltaneignung, die nach Außen weitgehend absichtslos ist und die sich im Wesentlichen auf den Prozess des konzentrierten Durchströmens beschränkt. Ich vernachlässige hier vorsätzlich die Betrachtung aller katalytischen Einflüsse, die geeignet sein könnten, diesem Geschehen seine Unschuld zu nehmen."

 


"Um die illustrative Peinlichkeit und, sagen wir mal, den Philosophiekitsch zu vermeiden, den spirituellen Kitsch, verwende ich gerne Elemente der Werbegrafik und vielleicht auch des Comics. Ich versuche, auf diese Weise die Dinge ein wenig in Balance zu bringen. In meinem Bestreben um Vermittlung, um Ausgleich lege ich den allergrößten Wert darauf, dass neben den durchaus konzeptuellen Bastelanteilen, denen die Bilder entspringen, auch im rechten Moment nichts anderes als die Malerei Raum bekommt, umk sich zu entfalten."

 


"Die verschlungenen Pfade der Etymologie sollen ruhig und lustvoll beschritten werden."

 


"Das surrealistische Prinzip und dieser psychische Automatismus finden bei mir nur bedingt Anwendung. Es ist schon eine Ablesbarkeit, eine Dechriffierbarkeit angestrebt. Es gibt aber ein Aussonderungsverfahren, das sich über mehrere Stufen erstreckt und ich entscheide mich dann von allen Varianten, die mir in den Sinn kommen, zunächst einmal für die ungehörigste - immer im Rahmen meiner Möglichkeiten zu verstehen. Diese bringe ich dann auf den Prüfstand der Malerei. Wenn alles gut geht, kommt die Ungehörigkeit zur Geltung und fügt dem bisherigen Inventar einen weiteren Anknüpfungspunkt für das Gewebe meiner privaten Ikonografie hinzu."

 


"Es ist ja nicht so, dass das, was nachherauf der Leinwand vorliegt, deckungsgleich ist mit der Ahnung, die ich vom Bild hatte oder die mir zugesteckt wurde. Es findet immer ein Moment der Verwandlung statt. Das ist sehr vergleichbar mit dem Versuch, jemandem einen Traum zu erzählen. Schon die Erzählung dieses Traums ist eine Abstraktion. Einen Traum kann ich niemandem vermitteln."

 


"Die rigorose Aussonderung des Dynamischen aus unseren Lebensprozessen, so sehr das Element der Dynamik diese auch prägt, gerade jetzt und zunehmend, scheint mir ein unabdingbarer Vorgang zu sein, der jedenfalls meine Arbeit überhaupt erst möglich macht."

 

 


"Ich kann mich nicht zu einem Farbklima zwingen, das nichts mit mir zu tun hat, nur, um saisonalen Erwartungshaltungen zu entsprechen oder um jung und cluborientiert zu erscheinen. Aber es lässt sich andererseits sagen, dass in dieser spezifischen Koloristik auch Erinnerungen verborgen sind, die sich mit dem ästhetischen Klima verbinden lassen, das mich in meinen frühen Kindheitsjahren umgab. Und natürlich zehre ich von diesen Erinnerungselementen."

 


"Wenn ich eine Landschaft angelegt habe und zwei, drei Figuren angelegt, die in der Landschaft beschäftigt sein sollen, lege ich zunächst die Porträts, die Köpfe dieser Figuren grob an, dann schreite ich zur Präzisierung, ich forme die Physiognomien aus: Das ist, als wenn man in einem Raum das Licht anknipsen würde."

 


"Gut funktionierende Bilder beinhalten doch immer auch ausgefranste Partien, perforierte Segmente, bei denen das über sie verhängte Gesetzeswerk nicht greift oder sogar unterlaufen wird. Der Maler muss Sorge tragen können, dass solche Momente stattfinden und erhalten bleiben. Sonst schafft er lediglich ein totes Gewebe mit hoher Präzision."

 


"Die mir wichtigsten Qualitätsmerkmale in der Malerei sind Eigentümlichkeit, Suggestivität und Zeitlosigkeit."

 


"Ich bin ja auch eine Membran kollektiver Ströme, bei mir muss jedoch alles durch das Nadelöhr meiner Subjektivität."

 


"Meine Bilder sind Allegorien. Ich versuche, diese an mich heranspülten Bild-Ahnungen als allegorische Situationen in Malerei umzusetzen."