Hundertwasser, Friedensreich - Zitate

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Friedensreich Hundertwasser

(1928-2000)

 


Künstler (Österreich)

 

 


"Passanten, zum Beispiel die Einwohner der Stadt, zeigen sie Auswärtigen und sagen: >> Das ist die Akademie der schönen Künste <<... Wenn sie an der Akademie vorübergehen, meinen sie, dort sei die phantastische Welt von Rembrandt, Rubens und Picasso, die ganze phantastische Welt der Kunst zu Hause. Man geht die Stufen hinauf und erwartet, in ein Kunstparadies einzutreten, einen Garten Eden der Kunst. Kommt man dann in einen offenen Klassenraum, tritt man in Mist. Sofort riecht man Scheiße und Urin und steigt über Lumpen und Abfalleimer und Bierflaschen und Würstchen. Es ist einfach unglaublicher als ein Pissoir in Paris oder ein Wartesaal dritter Klasse in Neapel. Etwas stimmt nicht mit der Kunst. Künstler sein ist eine Lebensform, es ist nicht nur das, was man produziert."

 


"Ich mache eine flüchtige Skizze, die nur ein paar Minuten in Anspruch nimmt; das reicht, um einige Monate zu malen. Ich zeichne mit einem Bleistift, sehr einfach, sehr naiv, ein paar Striche, ein Gesicht, ein Haus. Dann fülle ich sie mit Farbe aus, und die eigentliche Arbeit beginnt. Es sieht zwar allzu einfach aus, kriminell einfach, wenn es aber mit Farbe ausgemalt ist, kann man sich kaum noch vorstellen, daß die Grundlage eine simple Zeichnung war. Je einfacher die Zeichnung, um so offener und freier bin ich für die Farben. Würde ich eine kunstvoll ausgearbeitete, ausgereifte Zeichnung machen, würde es mir schwerfallen, sie mit entsprechenden Farben zu füllen..."

 


"Wie wenig braucht man zum Leben. Ich hatte damals meine eigene Philosophie. Ich sagte: Wie dumm, immer nach mehr zu verlangen. Die Kommunisten, die Sozialisten, die Gewerkschaften - alle versuchen in erster Linie, mehr zu bekommen, mehr Geld und mehr von den Dingen, die man für Geld kaufen kann. Was würde passieren, wenn die Leute, statt immer mehr und mehr zu verlangen, immer weniger haben wollten? Sie wären glücklicher, wären gesünder, würden kein fettes Essen essen, ihre Autos abschaffen und Fahrrad fahren, im Garten Gemüse ziehen; alle würden weniger Geld brauchen - ich glaube, das wäre ein interessantes Experiment."

 


"Ein Maler sollte beispielhaft gegen die Konsumgesellschaft handeln. Er sollte mit gutem Beispiel vorangehen, wie man in einer Gesellschaft ohne Verschwendung leben kann. Und was macht der Maler? Er tut genau das Gegenteil. Er matscht herum und vergeudet Farbe. Er ist noch schlimmer im Verschwenden wertvollen Materials. Für mich ist Malen eine religiöse Tätigkeit, Farbe ein geheiligtes Gut."

 


"Die gerade Linie ist eine vom Menschen gemachte Gefahr. Es gibt so viele Linien, aber nur eine von ihnen ist tödlich, und das ist die gerade Linie, die mit dem Lineal gezogen ist. Die gefahr durch die gerade Linie läßt sich nicht mit der Gefahr durch organische Linien vergleichen, die zum Beispiel Schlangen machen. Die gerade Linie ist dem Menschen, dem Leben, der gesamten Schöpfung wesensfremd."

 


"Geht man aber sparsam mit der Farbe um und nimmt sehr wenig Farbe, wird das Bild reicher. Trägt man Farbe dick auf, wie bei Pastellfarben, verarmt das Bild. Ich habe einmal Karel Appel getroffen, einen holländischen Maler, der die Farbe dick aufträgt. Ich habe ihn besucht, und er hat mir sein Haus gezeigt, dessen Wände von oben bis unten mit Regalen gefüllt waren. Sie waren vollgestopft mit riesigen, dicken Tuben. In jeder Tube war vielleicht ein Pfund Farbe. Ein-Pfund-Tuben Farbe lagen wie Feuerholz an der ganzen Wand gestapelt. Etwa 500 Tuben Blau, 500 Grün und 500 Schwarz - und er war sehr stolz darauf. Er sagte, er habe einen Sondervertrag mit der Farbenfabrik, die ihm die Farbe en gros liefere, da er, wenn er male, in einer wahren Malekstase sei; er ziehe mit den Zähnen den Verschluß ab, drücke das ganze Pfund Farbe mit einem Mal heraus und werfe die Tube fort... Ich will folgendes sagen: Obwohl solch eine Menge Farbe dick aufgetragen wird, ist die Wirkung armselig."

 


"Ein Stil hat keinerlei Bedeutung. Der Stil ist lediglich ein leeres Werkzeug, sich auszudrücken. Ein wahrer Künstler hat keinen Stil. Was er tut, paßt in keine bestehende Stilrichtung, daher bekommt es im nachhinein einen Namen."

 

 


"Wirklich, es ist der einfache Weg, der mühelose Weg, und der mühelose Weg führt zum Erfolg. Der mühevolle Weg, der steinige Weg, führt in den Untergang. Wenn er erzwungen ist, sieht man es dem Bild an. Man sieht so vielen Bildern an, daß der Mensch, der es gemalt hat, eine Aufgabe erfüllen wollte, aber auf dem Weg dahin hat er so viel gelitten und so viele Opfer gebracht, daß das Ergebnis gar nicht mehr so wichtig ist."

 


"Jedes Kunstwerk ist ein Kompromiß zwischen dem Machbaren und dem Gewollten. Das angetrebte Ziel wird in der Kunst nie erreicht, allerdings kommt die Kunst mehr oder weniger nahe an das heran, was der Künstler wollte. Ich glaube, ich habe eine Lösung: die Dinge einfach geschehen zu lassen. Ich lasse die Dinge einfach geschehen, und es ist so erstaunlich, daß ich selbst mich darüber wundere. Ich sage immer, ein Bild ist gut, wenn der Künstler über sein eigenes Bild überrascht ist."

 


"Gemälde sollten ausgestellt werden wie Juwelen. Sie sollten so gezeigt werden, daß sie ihre Kostbarkeit zur Schau stellen, in schwarzen Rahmen, im Raum schwebend, parallel zur Wand, ohne an ihr zu kleben."

 


"Mein Streben: Mich vom universellen Bluff unserer Zivilisation zu befreien."

 


Gastvorlesung an der Hochschule für bildende Künste Hamburg: "Es steht fest, daß viele von Ihnen kein wirkliches Talent zur Kunst haben und daher nicht hier sein sollten. Es steht ebenso fest, daß einige von Ihnen zum Künstler geboren sind und daher keine Ausbildung brauchen. Im einen wie im anderen Fall täten Sie gut daran, nach Hause zu gehen und sich um Ihr Leben zu kümmern, wie ich es vorhabe."

 


"Die Arbeit des Künstlers ist sehr schwierig, eben weil sie sich nicht mit Gewalt, Fleiß oder Intelligenz meistern läßt. Ich meine, man kann alles andere im Leben mit Anstrengung, Fleiß und Intellekt schaffen, aber in der Kunst zeitigen diese Dinge absolut keinen Erfolg."

 


"Kunst ist die Brücke zwischen Mensch und Natur. Kunst ist nicht die Brücke zwischen Mensch und Mensch."

 


"An einem Regentag beginnen die Farben zu leuchten. Deshalb ist ein trüber Tag, ein Regentag, für mich der schönste Tag."

 


"Kunst ist jedoch etwas Religiöses. Ein Platz der Andacht, ein Ort der Erbauung, des Friedens, ein Ort, wo man tiefe seelische Hilfe bekommt, wo man den richtigen Weg wiederfindet, den man verloren hat."