Dali, Salvador - Zitate

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Salvador Dali

(1904-1989)

 


Maler, Grafiker, Plastiker, Bühnenbildner

 

 


"Mein ganzer Ehrgeiz auf dem Gebiet der Malerei besteht darin, die Vorstellungsbilder der konkreten Irrationalität mit der herrschsüchtigsten Genauigkeit sinnfällig zu machen." (1935)

 


"Der Unterschied zwischen wahren und unwahren Erinnerungen ähnelt den der Diamanten: Die Kopie wirkt am echtesten und brilliantesten."

 


„Alles im Kosmos kulminiert im Menschen, Gottes Sohn, was besagen will, dass der ganze Kosmos unser Haus ist, nachdem wir von allen Paracelsischen Existenzängsten (des Versinkens in der Unendlichkeit des Weltalls) befreit sind durch den 'Bahnhof von Perpignan', genau der Station, die der Ursprungsort jenes Menschen ist, der mit dem paranoischsten Auge, das je existierte, eine malerische Methode erfand (dank des Moiré durch sukzessive Schichten des parabolischen Fliegenauges): das Wunder der Malerei, die neue, wahrhaft kosmische und stereoskopische Verfahrensweise, die es der Malerei erlaubt, mit jedem Pinselstrich weiter und unaufhörlich das Universum zu erfinden.“ (Bildbezug: Der Bahnhof von Perpignan, 1965)

 


"Das Auge ist wirklich etwas wunderbares. Man muss es so gebrauchen, wie ich es mit meinem getan habe, das zu einem weichen psychedelischen Fotoapparat geworden ist. Ich kann es bestimmen, Aufnahmen zu machen von Visionen meines Geistes."

 


„Dieses Gemälde rief in mir eine obskure, eine so bittere Qual hervor, dass die Erinnerung an jene beiden regungslosen Silhouetten mich mehrere Jahre lang mit einem durch ihre ununterbrochene und zweideutige Präsenz verursachten anhaltenden Unbehagen verfolgte. Doch das Unbehagen war nicht ‚alles’. Trotz dieser Gefühle [...] hatte ich den Eindruck, irgendwie unter ihrem Schutz zu stehen und ein heimliches und subtiles Vergnügen glänzte in der Tiefe meiner Angst wie eine kleine silbrige Messerklinge im Sonnenlicht.“ (Dali über das berühmte Angelusläuten von Jean-Francois Millet aus dem Jahre 1859, das ihn seit seiner Kindheit in der Christlichen Schule von Figueras, wo es als Kopie im Korridor vor dem Klassenzimmer hing, beeindruckt und zutiefst beunruhigte)

 


"Jeden Morgen beim Erwachen genieße ich das erhabene Vergnügen, Salvador Dali zu sein. Voller Erstaunen frage ich mich dann, was dieser Dali heute noch wieder Wunderbares verrichten wird."

 


"Füße und Unterarme einer Frau müssen von exhibitionistischer Schönheit sein."

 


"Die beiden größten Glücksfälle, die einem Maler passieren können, sind: 1. Spanier zu sein, 2. Dalí zu heißen."

 


"Meine Schnurrbartspitzen sind Radar-Antennen, mit deren Hilfe ich tagsüber alles empfange, was in der Welt um mich vorgeht und gedacht wird."

 


"Im Abschied liegt die Geburt der Erinnerung."

 


„Wenn Physiker Antimaterie produzieren, dann sollte es den Malern, die schon Spezialisten für Engel sind, erlaubt sein, sie zu malen. In der surrealistischen Epoche wollte ich die Ikonographie der Innenwelt schaffen – der Welt des Wunderbaren, die meines Freundes Freud. Es ist mir gelungen, es zu tun. Heute hat die Außenwelt, die der Physik, die der Psychologie überstiegen. Heute ist Heisenberg mein Vater. Mit Pi-Mesonen und den gelatinösesten, den unbestimmtesten Neutrinos will ich die Schönheit der Engel und der Realität malen.“

 


"Das Intimste der Intimsphäre ist das Geld. Wenn man weiß, wieviel Geld ein Mensch hat, weiß man von ihm fast alles."

 


"In der Kunst ist es anders als beim Fußballspiel. In Abseitsstellung erzielt man die meisten Treffer."

 


"Keine Erfindung ist so rein gewesen, wie diejenige, die den anästhetischen Blick des glasklaren Auges ohne Wimpern von Zeiss geschaffen hatte: so destilliert und aufmerksam, dass niemals die rosa Schwellung de Bindehautentzündung auftreten wird." (Dali über die Fotografie, 1927)

 


"Ich bewundere Picasso. Keiner hat sein Öl so teuer verkauft wie er."

 


"Der einzige Unterschied zwischen einem Verrückten und mir ist der, daß ich nicht verrückt bin."

 


"Ich bin der einzige Künstler, den die Natur kopiert."

 


„Nachdem ich mich eine Zeitlang diesen aus Kindheitserinnerungen beizitierten Phantasien hingegeben hatte, beschloss ich endlich, ein Gemälde in Angriff zu nehmen, bei welchem ich mich ausschließlich darauf beschränken wollte, jedes dieser Bilder so gewissenhaft, wie es mir entsprechend der Reihenfolge und Intensität ihres Auftretens möglich war, wiederzugeben und als Kriterium und Norm ihrer Anordnung nur ganz unwillkürlich sich einstellenden Gefühlen zu folgen, wie sie ihre empfindungsmäßige Verbindung diktieren würde. Und selbstverständlich sollte sich mein persönlicher Geschmack nicht einmischen. Ich wollte nur meiner Lust folgen, meinem ganz unkontrollierbaren biologischen Verlangen. Diese Arbeit war eine der authentischsten und grundlegendsten, die der Surrealismus mit Recht für sich beanspruchen konnte.“ (Bildbezug: Das finstere Spiel, 1929)

 


"Man muß systematisch Verwirrung stiften, das setzt Kreativität frei."

 


"Eines Tages wird man offiziell zugeben müssen, daß das, was wir Wirklichkeit getauft haben, eine noch größere Illusion ist als die Welt des Traumes."

 


„Die iberischen Wesen, die sich im Hebst gegenseitig auffressen, drücken das Pathos des Bürgerkrieges aus, der von mir als ein Phänomen der Naturgeschichte angesehen wird, im Gegensatz zu Picasso, der ihn als ein politisches Phänomen auffasste. [...] Der Spanische Bürgerkrieg änderte keine meiner Ideen. Im Gegenteil, er begünstigte die entschiedene Strenge ihrer Entwicklung. Ekel und Abscheu vor jeder Art von Revolution nahmen bei mir fast pathologische Züge an. Aber ich wollte auch nicht, dass man mich einen Reaktionär nannte. Das war ich nicht... Denn ich dachte einfach weiter, und ich wollte nichts anderes als Dali sein.“ (Bildbezug: Herbstlicher Kannibalismus, 1936)

„Die spanischen Anrachisten trugen schwarze Banner mit den Worten: Viva la muerte! Durch die Straßen des totalen Umsturzes. Die anderen trugen die rotgoldene Fahne der Tradition, des uralten Spanien mit jener anderen Aufschrift, die mit zwei Buchstaben auskam: FE (Glaube). Und auf einmal sah man mitten auf dem leichenhaften, von den Schädlingen und Würmern fremdländisch-materialistischer Ideologien halb zerfressenen Körper Spaniens die gewaltige iberische Erektion, wie eine riesige, mit dem weißen Dynamit des Hasses gefüllte Kathedrale!...Und dessen sollten wir nun Zeuge werden – wessen das Land Spanien fähig war – eine planetarische Fähigkeit zu leiden und Leiden zuzufügen, zu begraben und auszugraben, zu töten und wiederzubeleben.“ (Dali: Autobiografie)

 


"Wer interessieren will, muss provozieren!"

 


„In diesem Bild stellte ich einen riesigen menschlichen Körper dar, aus dem Arm- und Bein-Wucherungen hervortraten, die in wahnwitziger Selbststrangulation aneinander zerrten. Als Hintergrund dieser Architektur rasenden Fleisches, das eine narzisstische, biologische Katastrophe verzehrte, malte ich eine geologische Landschaft, die seit Tausenden von Jahren sinnlos ‚revolutioniert’ worden und nun aus heiterem Himmel erstarrt war. Den weichen Bau jener großen Masse Fleisch im Bürgerkrieg verzierte ich mit einigen gekochten Bohnen, denn man konnte sich nicht vorstellen, all dies bewusstlose Fleisch ohne die Beilage eines (wenn auch nicht unbedingt begeisternden) mehlig-melancholischen Gemüses zu schlucken.“ (Bildbezug: Weiche Konstruktion mit gekochten Bohnen – Vorahnung des Bürgerkrieges, 1936)

 


"Wäre ich hinter Frauen her, würde ich weit weniger gut malen. Alle kreativen Menschen, Künstler wie Politiker, verhalten sich in außergewöhnlichem Maße abstinent."

 


"Eines Tages wird man offiziell zugeben müssen, dass das, was wir Wirklichkeit getauft haben, eine noch größere Illusion ist als die Welt des Traumes."

 


"Dass ich selbst während des Malens die Bedeutung meiner Bilder nicht verstehe, heißt nicht, dass diese Bilder keine Bedeutung haben. Im Gegenteil, sie haben eine so tiefe, komplexe, zusammenhängende, ungewollte Bedeutung, dass sie sich der einfachen Analyse einer logischen Intuition entziehen."

 


"Wenn ich nur keine Angst vorm Malen hätte..."

 


"Die Wissenschaft, die uns den Schlüssel zur Macht über die Welt zu liefern scheint, entfernt uns in Wahrheit von der Wirklichkeit der Macht, die nur aus der totalen, blitzhaften Intuition des Wirklichen entstehen kann. Rationalismus und Erfahrung sind nur Kontrollinstrumente. Allein die irrationalen Fähigkeiten schließen uns die Pforten des Universums auf. Die Kunst ist eine Schule der tiefen Erkenntnisse und der Initiation."

 


"Wer heutzutage Karriere machen will, muss schon ein bisschen Menschenfresser sein."

 


"Ohne einen Schnurrbart ist ein Mann nicht richtig angezogen!"

 


Dali bestimmt sein 'Weiches Selbstbildnis mit gebratenem Speck'(1941) als "... antipsychologisches Selbstbildnis; anstatt die Seele zu malen das heißt das Innere, ausschließlich das Äußere zu malen, die Hülle, den Handschuh meines Ich. Dieser Handschuh meines Ich ist essbar und sogar ein bisschen scharf wie abgehangenes Wildfleisch; aus diesem Grund erscheinen auch die Ameisen zusammen mkit dem gebratenen Speck. Als großzügigster aller Maler biete ich mich ständig zum Essen an und diene so unserer Epoche aufs köstlichste zur Nahrung."

 


"Mein ganzer Ehrgeiz auf dem Gebiet der Malerei besteht darin, die Vorstellungsbilder der konkreten Irrationalität mit der herrschsüchtigsten Genauigkeit sinnfällig zu machen." (1935)

 


„'Ein andalusischer Hund' [Un chien andalou] war der Film von Pubertät und Tod, den ich dem geistvollen, eleganten und intellektuellen Paris mit der ganzen Wirklichkeit und der ganzen Schärfe des iberischen Dolches ins Herz stieß [...] Unser Film erzielt die von mir erwarteten Resultate. Er zerstörte an einem einzigen Abend zehn Jahre pseudeintellektuellen Nachkriegs-Avantgardismus. Dieses dreckige Ding, das man abstrakte Kunst nannte, fiel uns vor die Füße, auf den Tod verwundet, um nie wieder aufzustehen...“

 


"Der Unterschied zwischen den Surrealisten und mir besteht darin, daß ich Surrealist bin."

 


„In meiner Vorstellung sollte dieser Film [L’age d’Or] die ganze Heftigkeit der Liebe, durchtränkt vom Schöpfungsglanz katholischer Mythen, übersetzen. Schon damals war ich geblendet und besessen von der Großartigkeit und dem Gepränge des Katholizismus. Für diesen Film, sagte ich zu Bunuel, wünsche ich viele Erzbischöfe, Skelette und Monstranzen. Ich wünsche vor allem Erzbischöfe, die mit ihren gestickten Mitren inmitten der felsigen Sintfluten von Kap Creus baden. Bunuel mit seiner Naivität und dem Eigensinn des Aragonesen verwandelte das alles in einen elementaren Antiklerikalismus. Ich musste ihn ständig in seinen Gedankenflügen anhalten, um ihm zu sagen: Nein, nein. Keine Komik! Diese Erzbischöfe gefallen mir. Sie gefallen mir sogar ungeheuer. Wenn du willst machen wir ein paar blasphemische Szenen, aber sie müssen mit äußerstem Fanatismus inszeniert werden, damit die Großartigkeit eines wahren Skrilegs erreicht wird! Bunuel reiste mit dem Drehbuch ab, um in Paris mit dem Schneiden zu beginnen.“

 


"Weiche Uhren: Sie sind nicht anderes als der paranoisch-kritische, zärtliche, extravagante und von Zeit und Raum verlassene Camembert."

 


"Im Alter von sechs Jahren wollte ich Köchin werden. Mit sieben wollte ich Napoleon sein. Und mein Ehrgeiz ist stetig gewachsen."

 


„Die Port Lligat-Madonna, die ich gerade vollendet habe und die hier erstmals ausgestellt wird, ist die Antwort auf das Versprechen, das ich dem Publikum auf den letzten Seiten meines 'Geheimen Lebens' [Autobiografie d. K.] gegeben habe: Die surrealistische Erfahrungen meines Lebens mit der großen klassischen Tradition der Malerei zu verbinden. Die dalinischen Symbole, die oberflächlichen Gemütern früher als Paradebeispiel willkürlicher Ausgeburten erschienen waren, offenbaren plötzlich ihre mystische Bedeutung, die sie in Wirklichkeit schon immer hatten... Die offenen, in den menschlichen Körper geschnittenen Räume werden 'Mystische und Jungfräuliche Tabernakel'." (Bildbezug: Madonna von Port Lligat, 1949)

 


"Ich liebe Gala mehr als meine Mutter, mehr als meine Vater, mehr als Picasso und selbst mehr als das Geld."

 


"Mein ganzer Ehrgeiz im Bildlichen besteht darin, die Bilder des konkreten Irrationalen durch die imperialistische Genauigkeitswut zu versinnlichen. [...] eine spontane Erforschung des Irrationalen, die auf der kritisch-deutenden Assoziation der Wahnphänomene beruht."

 


Dali 1950 in einem Interview auf die Frage, was ihn aktuell sehr interessiere: „Die Göttliche Komödie zu illustrieren. Man hat mich mit der Arbeit für eine monumentale italienische Ausgabe beauftragt, und ich denke sie auch diesen Sommer in Cadaqués abzuschließen. Es ist ein Werk, das mich zur Besessenheit anzieht, weil ich in ihm den beiden Aspekten meines eigenen Lebens begegne. Das Buch hat mich begeistert, und ich sehe meine Arbeit schon im Geist vollendet. [...] Zwei Jahre später … habe ich eine Verdreifachung (meines Honorars) unter Umständen erzielt, die insofern noch bemerkenswerter waren, als es sich bei dem Auftraggeber um die italienische Regierung handelte. Der damalige Kultusminister beauftragte mich, Dantes Göttliche Komödie zu illustrieren. Die Aquarellvorlagen für die Illustrationen hatte ich abgeliefert, die staatliche Druckerei Istituto Poligrafico dello Stato die lithographischen Platten für mindestens sieben der Bilder in Originalgröße fertiggestellt, ich hatte auch mein Geld bekommen und war darüber sehr froh, denn plötzlich gab es in Rom einen Skandal. Einem Mitglied er Opposition war bewusst geworden, dass man es einem Künstler, einem Spanier – Dalí, um ihn beim Namen zu nennen – überlassen hatte, den größten Dichter der italienischen Geschichte zu bebildern. [...] Mit einem Chauvinismus ohnegleichen zogen die Abgeordneten gegen diesen Verrat an der Seele Italiens zu Felde. Die Regierung wurde in ihren Grundfesten erschüttert. Ich empfand mich als gekränkt und beschloss mich zu amüsieren. Aber der Minister, der nicht mehr wusste, wohin er mit dem Kopf sollte, um den Tomaten auszuweichen, flehte mich an, nichts zu unternehmen; er bat mich, das Geld und die bereits fertigen Platten unter der Bedingung zu behalten, dass man in Italien nie wieder von einer von Dalí illustrierten Divina Commedia reden hörte. Ich hielt Wort und trat die Rechte um den doppelten Preis an einen französischen Verleger ab (1960 an Joseph Fôret, der sie auf LES HEURES CLAIRES, Paris übertrug). Mit deren Bildwiedergaben entstand dann doch die italienische Ausgabe.“

 


"Die Romantik hat die Schändlichkeit begangen, glauben zu machen, die Hölle sei schwarz wie die Kohlengruben Gustave Dorés, in denen man nichts sieht. Nein, das Inferno Dantes ist von der Sonne und dem Honig des Mittelmeers erhellt. Deshalb sind die Schrecken meiner Illustrationen durchschaubar und überaus gallertig mit ihren Graden engelhafter Zähflüssigkeit."

 


"Die Liebe, die es ihm ermöglichte zu überlegen und die Sterne, auf denen er Beatrice wiederzufinden hoffte. Durch ihn stelle ich mir mich ohne Gala vor, und eine nachträgliche Angst packt mich. Nicht eine dieser Illustrationen habe ich entworfen, ohne von dieser Obsession erschreckt zu werden. In Wahrheit habe ich Dante nie gelesen. Ich habe über ihn geträumt, und Gala war es dann, die die Zeichnungen so, wie sie fertig wurden, auf den Text verteilte.

Die Idee des Engels regt mich an; denn wenn Gott unfassbar ist, so ist er kosmisch, weil er nicht begrenzt werden kann. Die Engel dagegen haben Formen. Proton und Neutron sind für mich engelhafte Elemente. Raffael und der heilige Johannes vom Kreuz sind den Engeln nah. Ich suche mich der Welt der Engel zu nähern durch die Keuschheit und die hyperästhetische, paranoia-kritische Geistigkeit dieser Illustrationen. Meine Askese, um den Himmel zu gewinnen." (zur Arbeit an Dantes 'Divina Commedia')

 


"Nichts kann mich hindern, das vielfache Vorhandensein der Wahnbilder im Beispiel des vielfachen Vorstellungsbildes wiederzuerkennen, selbst wenn einer seiner Zustände die Erscheinugnsform eines Eselskadavers annimmt und ein solcher Esel wirklich grauenhaft verwest und mit Tausenden von Fliegen und Ameisen bedeckt ist; und da man in diesem Fall keine Bedeutung a priori der verschiedenen Zustände des Vorstellungsbildes außerhalb des Zeitbegriffs voraussetzen kann, wird mich nichts überzeugen, dass diese grausame Verwesung des Esels etwas anderes sei als der blendend harte Widerschein neuer Edelsteine. Und wer weiß, ob sich hinter den drei großen Wahnbildern, der Scheiße, dem Blut und der Verwesung nicht gerade das ersehnte Land der Schätze verbirgt." (Die sichtbare Frau, 1930)

 


"Es leuchtet mir vollkommen ein, dass meine Feinde, meine Freunde und die Öffentlichkeit im allgemeinen behaupten, die Bedeutung der auftauchenden Vorstellungsbilder, die ich in meine gemalten Bilder umsetze, nicht zu verstehen. Wie sollten sie denn verstehen, wenn ich selber, der sie ‚macht’, sie auch nicht verstehe. Die Tatsache, dass ich selbst im Augenblick, wo ich male, die Bedeutung meiner Bilder nicht verstehe, will nicht heißen, dass sie keine Bedeutung hätten: im Gegenteil, ihre Bedeutung ist so unergründlich, komplex, zusammenhängend und unwillkürlich, dass sie der einfachen Analyse der logischen Anschauung entgeht.[...]

Mein ganzer Ehrgeiz auf dem Gebiet der Malerei besteht darin, die Vorstellungsbilder der konkreten Irrationalität mit der herrschsüchtigen Genauigkeitswut sinnfällig zu machen. Dass die Welt der Phantasie und der konkreten Irrationalität von der gleichen objektiven Augenfälligkeit ist, von der gleichen Festigkeit, von gleicher Dauer, von der gleichen überzeugenden, kognitiven und mitteilbaren Dichte wie diejenige der Außenwelt, der phänomenologischen Wirklichkeit. Wichtig ist, was vermittelt werden soll: der konkret irrationale Bildinhalt. Die malerischen Ausdrucksmittel werden in den Dienst dieses Bildinhaltes gestellt. Der Illusionismus der nachahmenden, auf niederträchtige Weise streberischen und unwiderstehlichen Kunst, die geschickte Kniffe des lähmenden trompe-l'oeil, der auf analytische Weise erzählende, so verrufene Akdademismus können zusammen mit der neuen Genauigkeit konkreter Irrationalität in dem Maße, wie die Vorstellungsbilder der konkreten Irrationalität sich dem phänomenoligschen Wirklichen annähern und die entsprechenden Ausdrucksmittel derjenigen der großen realistischen Malerei – Velazquez und Vermeer van Delft – sublime Hierarchieen des Denkens werden.[...]

Der Surrealismus wartet in seiner ersten Periode mit besonderen Methoden auf, um sich den Vorstellungsbildern der konkreten Irrationalität zu näher.[...] Eluards und Bretons Simulationsversuche, Bretons neueste Gegenstandsgedichte, Rene Magrittes letzte Bilder, die ‚Methode’ der letzen Skulpturen Picassos, Salvador Dalis theoretische und malerische Aktivität usw. [...] belegen dieses Bedürfnis nach konkreter Verkörperlichung in der alltäglichen Wirklichkeit, diese moralische und systematische Beschaffenheit, objektiv und auf der Ebene des Wirklichen der wahrhaften, unseren rationalen Erfahrungen unbekannten Welt Geltung zu verschaffen. Statt der Traumerinnerung und virtueller, unmöglicher Vorstellungsbilder rein rezeptiver Zustände, die man nur erzählen kann, die körperlichen Tatsachen der ‚objektiven’ Irrationalität, mit denen man sich immerhin wirklich verwunden kann. 1929 richtet Salvador Dali seine Aufmerksamkeit auf die inneren Mechanismen der paranoischen Phänomene und fasst die Möglichkeit einer experimentellen Methode ins Auge, die auf dem unmittelbaren Vermögen systematischer, für Paranoia typischer Assoziationen beruht; diese Methode sollte in der Folge zur wahnhaft-kritischen Synthese werden, die sich ‚paranoisch-kritische Aktivität’ nennt. Paranoia: interpretierender Assoziationswahn mit systematischer Struktur – Pranoisch-krtische Aktivität : Spontane Methode irrationaler Erkenntnis, die auf der kritisch-interpretierenden Assoziation wahnhafter Phänomene beruht."