Chagall, Marc - Zitate

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Marc Chagall

(1887-1985)

 


Maler, Graphiker (Russland)

 

 


„Mein Vater hatte blaue Augen, aber seine Hände waren voller Schwielen. Er arbeitete, er betete, er schwieg. Wie er, war auch ich schweigsam. Was sollte aus mir werden? Sollte ich so mein ganzes Leben lang bleiben, vor einer Wand sitzend oder sollte ich ebenfalls Tonnen schleppen? Ich betrachtete meine Hände. Ich hatte zu zarte Hände. [...] Ich musste einen besonderen Beruf finden, eine Beschäftigung, die mich nicht zwingen würde, mich vom Himmel und den Sternen abzuwenden, und die mir erlauben würde, meinen Sinn des Lebens zu finden. Ja, genau das suchte ich. In meiner Heimat jedoch hatte niemals jemand vor mir die Worte ‚Kunst, Künstler’ ausgesprochen. ‚Was ist das, ein Künstler?’ fragte ich.“

 


"In der Kunst wie im Leben ist alles möglich, wenn es auf Liebe gegründet ist."

 


„Wenn ich in einem Bild den Kopf einer Kuh abgeschnitten und verkehrt aufgesetzt habe oder manchmal das ganze Bild verkehr herum male, so habe ich es nicht getan, um Literatur zu machen. Ich will in mein Bild einen psychischen Schock hineinbringen, der immer motiviert ist aus bildhaften Gründen, mit anderen Worten: eine vierte Dimension. Ein Beispiel. Eine Straße. Matisse baut sie im Geiste Cézannes auf, Picasso in dem der Neger oder Ägypter. Ich gehe anders vor. Ich habe meine Straße. In diese Straße lege ich einen Leichnam. Der Leichnam bringt die Straße psychisch durcheinander. Ich setze einen Musiker auf ein Dach. Die Anwesenheit des Musikers wirkt auf die des Leichnams. Dann ein Mann, der die Straße kehrt. Das Bild des Straßenkehrers wirkt auf das des Musikers zurück. Ein Blumenstrauß, der herunterfällt, und so weiter. Auf diese Weise lasse ich das Psychische, die vierte Dimension, in das Bildhafte herein, und die beiden vermischen sich.“

 


„Ich verzichte auf jedes Dekor. Jedes Bildzeichen muss für mich psychisch durchgearbeitet sein.“

 

„Meine Bilder sind ‚constructions psychiques’. Ich versuche, Schichten seelischer Wirklichkeit auf die Leinwand hinüberzutragen und sie dort abzulegen.“

 


"Kunst scheint mir vor allem ein Seelenzustand zu sein."

 


"Ich bin sicher, daß Rembrandt mich liebt."

 


„Damals hatte ich erkannt, dass ich nach Paris gehen musste. Die Erde, die die Wurzeln meiner Kunst genährt hatte, war Witebsk; aber meine Kunst brauchte Paris so nötig wie ein Baum das Wasser. Ich hatte keinen anderen Grund, meine Heimat zu verlassen, und ich glaubte, ihr in meiner Malerei immer treu geblieben zu sein.“

 


„In Paris ging ich weder zur Kunstakademie noch zu Professoren. Die Stadt selbst war auf Schritt und Tritt meine Lehrmeisterin, in allem. Die Händler vom Markt, die Kellner, die Hotelportiers, die Bauern, die Arbeiter. Sie umgab etwas von jener erstaunlichen Atmosphäre aufgeklärter Freiheit („lumière-liberté), die ich nirgendwo anders gefunden hatte."

 


„Während in den russischen Ateliers ein gekränktes Modell schluchzte, bei den Italienern Lieder und Gitarrenklänge ertönten, bei den Juden Diskussionen, war ich ganz allein in meinem Atelier, vor meiner Petroleumlampe. Zwei, drei Uhr morgens. Der Himmel ist blau. Die Morgenröte steigt auf. Irgendwo weiter weg schlachtete man das Vieh, die Kühe brüllten und ich malte sie.“ (Chagall bezieht 1911 das Atelier in La Ruche (Bienenkorb) wo auch Léger, Modigliani und Soutine wohnen. Er pflegt enge Kontakte zu Apollinaire, Léger und Delaunay.)

 


„Nieder mit dem Naturalismus, dem Impressionismus und dem realistischen Kubismus... Geben wir doch unserer Tollheit nach! Ein reinigendes Blutbad ist nötig, eine Revolution der Tiefe, nicht der Oberfläche.“

 

„Mit einem Russenhemd bekleidet, einer Ledermappe unterm Arm, machte ich durchaus den Eindruck eines sowjetischen Funktionärs.“

 

„Warum ist die Kuh grün und warum fliegt das Pferd in den Himmel? Fragten die Genossen. Was hat das mit Marx und Lenin zu tun?“

 

(Krieg und Revolution in Russland - die Jahre 1914-1923)

 


„Sie [die Juden] haben nie verstanden, wer dieser Jesus, einer unserer liebevollsten Rabbiner, der stets für die Bedrängten eintrat, wirklich war. Sie haben ihn mit lauter Herrschaftsprädikaten bedacht. Für mich ist er das Urbild des jüdischen Märtyrers zu allen Zeiten.“ (Bildbezug: Weiße Kreuzigung, 1938)

 


„In Amerika habe ich gelebt und gearbeitet in einer Zeit der weltweiten Tragödie, die alle Menschen getroffen hatte. Während die Jahre dahingingen, bin ich nicht jünger geworden. Aber ich konnte in der Atmosphäre der Gastfreundschaft Kraft schöpfen, ohne dass ich die Wurzeln meiner Kunst verleugnen musste.“

 


„Für mich ist der Zirkus ein magisches Schauspiel, das kommt und vergeht wie eine Welt.“

 


„Die Veränderungen in der Gesellschaftsordnungen wie in der Kunst wären glaubwürdiger, wenn sie aus der Seele und dem Geist heraus wüchsen. Wenn die Menschen aufmerksamer die Worte der Propheten lesen würden, so fänden sie dort die Schlüssel zum Leben.“

 


„Ich bin ein Mystiker. Ich gehe nicht in die Kirche oder die Synagoge. Ich bete, indem ich arbeite.“

 


„Wäre ich kein Jude (mit allem, was dieses Wort für mich beinhaltet), ich wäre überhaupt kein Künstler oder aber ein ganz anderer Mensch. Das ist keineswegs etwas Neues. Was mich betrifft, so weiß ich ziemlich gut, zu welchen Leistungen dieses kleine Volk fähig ist. Leider bin ich bescheiden und kann nicht aufzählen, was es alles zu leisten vermag. Etwas Beschwörendes – das ist es, was dieses kleine Volk vollbracht hat! Als es wollte, hat es Christus und das Christentum hervorgebracht. Als es sich anstrengte, gebar es Marx und den Sozialismus. Ist es nicht denkbar, dass es der Welt auch eine Kunst, irgendeine Kunst gegeben hat? Schlagt mich tot, wenn das nicht stimmt.“

 

„Wenn ein Maler Jude ist und das Leben malt, wie könnte er sich gegen jüdische Elemente in seinem Werk wehren? Aber wenn er ein guter Maler ist, besitzt das Bild viel mehr. Das jüdische Element ist zwar da, aber seine Kunst will universale Geltung erreichen.“

 

„Von meiner Kindheit an hat mich die Bibel mit Visionen über die Bestimmung der Welt erfüllt [...] In Zeiten des Zweifelns haben ihre Größe und ihre hohe dichterische Weisheit mich getröstet. Sie ist für mich wie eine zweite Natur.“

 

"Seit meiner Jugend hat mich die Bibel gefesselt. Sie erschien mir immer und erscheint mir auch heute noch als die größte Quelle der Poesie aller Zeiten. Stets habe ich ihre Spiegelung im Leben und in der Kunst gesucht. Die Bibel ist der Widerhall der Natur, und dieses Geheimnis habe ich weiterzugeben versucht."

 

"Dieses Buch ist Geschichte und gleichzeitig auch ein Roman. An manchen Stellen ist es reine Poesie. Es ist eine Tragödie, aber oft auch sehr komisch".

 

"Wenn nur Farbe da ist. Und Poesie. Der Höhepunkt der Poesie ist für mich die Bibel."

 

„Ich kam nach Palästina, um gewisse Vorstellungen zu überprüfen, ohne Fotoapparat, sogar ohne Pinsel. Keine Dokumente, keine Touristeneindrücke, und trotzdem bin ich froh, dort gewesen zu sein. Von weit her strömen sie zur Klagemauer, bärtige Juden in gelben, blauen, roten Gewändern und mit Pelzmützen. Nirgendwo sieht man so viel Verzweiflung und so viel Freude; nirgendwo ist man so erschüttert und so glücklich zugleich beim Anblick dieses tausendjährigen Haufens von Steinen und Staub in Jerusalem, in Sefad, auf den Bergen, wo Propheten über Propheten begraben liegen."

 


"Ein guter Mensch kann bekanntlich ein schlechter Künstler sein. Aber niemals wird jemand ein echter Künstler, der kein großer Mensch und daher auch kein 'guter Mensch' ist."