Max Ernst
(1891-1976)

Maler, Grafiker, Plastiker (Deutschland)
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„Die Liebe ist der Todfeind der christlichen Moral. Indem die Kirche in das Gewissen und Untergewissen der Menschen mit Hilfe des sogenannten Bußsakramentes oder der Beichte eingebrochen ist, hat sie das sicherste Werkzeug gefunden, um auf der Stelle und ohne Schwierigkeit alles, was sich nach Liebe streckt, kleinzukriegen."

 

"Ein Maler ist verloren, wenn er sich findet."

 

"Als letzter Aberglaube blieb dem westlichen Kulturkreis das Märchen vom Schöpfertum des Künstlers."

 

"Die Skulptur entsteht in einer Umarmung mit zwei Händen, wie in der Liebe. Sie ist die einfachste, die ursprünglichste Kunst. Ich muß mich nicht dazu zwingen, noch mich wirklich hinführen. Sie fordert weder die Konzentration noch die Anstrengung der Malerei."

 

"Wenn man also den Surrealisten sagt, sie seien Maler einer stets Wandelbaren Traumwirklichkeit, so darf das nicht etwa heißen, daß sie ihre Träume abmalen (das wäre deskriptiver, naiver Naturalismus), oder daß sich ein jeder aus Traumelementen seine eigene kleine Welt aufbaue, um sich in ihr gütlich oder boshaft zu gebärden (das wäre 'Flucht aus der Zeit'), sondern daß sie sich auf dem physikalisch und psychisch durchaus realen ('surrealen'), wenn auch noch wenig bestimmten Grenzgebiet von Innen- und Außenwelt frei, kühn und selbstverständlich bewegen..."

 

"Wenn die Kunst ein Spiegel der Zeit ist, so muss sie wahnsinnig sein"

 

"Bitte, meine Herren, Kunst hat mit Geschmack nichts zu tun, Kunst ist nicht da, daß man sie »schmecke«."

 

"1936 Oktober: Will man den Angaben seines Personalausweises glauben, so dürfte M. E. nicht älter als 35 Jahre sein, als er diese Zeilen schrieb; er hätte demnach ein ovales Gesicht, blaue Augen und graumeliertes Haar und wäre wenig über mittelgross. Besondere Kennzeichen hätte er laut der Kennkarte keine. Folglich könnte er, falls die Polizei ihn suchte, in der Menge untertauchen und leicht für immer verschwinden.
Die Frauen andererseits finden, dass sein jugendliches Gesicht, gerahmt von silberweissem Haar, «ihn sehr vornehm wirken lässt». Sie sehen an ihm den Charme, den großen Realitäts-Sinn und die Verführungskunst, die vollkommene Figur und sein angenehmes Wesen. (Das Risiko der Pollution gibt er selbst zu, es ist eine so alte Gewohnheit, dass er auf sie als Zeichen unbefangener Weltlichkeit geradezu stolz ist.) Die Frauen finden im übrigen, dass er ein schwieriger und eigensinniger Charakter und von unzugänglichem Gemüt ist. «Er ist», sagen sie, «ein Nest voller Widersprüche», zugleich transparent und rätselhaft, etwa wie die Pampa. Es ist für sie schwierig, die Freundlichkeit und Milde seines Wesens mit der stillen Heftigkeit zu vereinbaren, die die Essenz seines Denkens ist. Bereitwillig vergleichen sie ihn mit einem leichten Erdbeben, das höchstens die Möbel erzittern lässt, aber nichts umwirft. Besonders unangenehm und unerträglich ist für sie, dass sie fast nie seine Identität in den offenkundigen Widersprüchen erkennen können, die zwischen seinem spontanen Verhalten und dem Diktat seiner bewussten Gedanken bestehen. Zum Beispiel können sie zwei augenscheinlich unvereinbare Haltungen bemerken: Einmal das des Gottes Pan und des Mannes Papou, die alle Geheimnisse kennen und sich bei ihrem Auftritt vereinigen («Pan vermählt sich der Natur, Papou verfolgt die Nymphe Echo»); zum zweiten das Verhalten des Prometheus, Gott des Feuers, vom Verstand geleitet, der mit unerbittlichem Hass und groben Flüchen seine Umwelt verfolgt. «Diesem Ungeheuer gefallen nur die Gegensätze der Landschaft», sagen sie. Und ein kleines Mädchen fügt im Scherz hinzu: «Er ist gleichzeitig Gehirn und Gemüse.»"

 

"Befestigt ein leeres Gefäss an einer Schnur von 1 bis 2 m Länge, bohrt ein kleines Loch in den Boden, füllt die Büchse mit flüssiger Farbe. Lasst die Dose am Ende der Schnur über eine flachliegende Leinwand hin- und herschwingen. Leitet die Dose durch Bewegungen der Hände, Arme, Schultern und des gesamten Körpers. Auf diese Weise tröpfeln überraschende Linien auf die Leinwand. Das Spiel der Gedankenverbindungen beginnt."