Christo
(1935)

Grafiker, Objekt- und Aktionskünstler (Bulgarien)
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"Die Bürokraten und Politiker glauben, daß meine Projekte zu viele Menschen anziehen und ein Auflauf entsteht, der sich nicht mehr kontrollieren läßt. Bei einem Projekt, das abgelehnt wurde, ist das klar ausgesprochen worden. Bei meinem Vorhaben im New Yorker Central Park befürchtet man eine Art Woodstock. Ich finde es äußerst aufschlußreich, daß die Repräsentanten unserer so demokratischen Gesellschaft verhindern wollen, daß öffentliche Plätze und Parks von vielen Menschen aufgesucht werden. Die Provokation meiner Kunst besteht darin, daß sie ungewöhnlich viele Menschen aller Schichten anzieht." (1990)

 

"Zum grundsätzlichen Verständnis meiner Arbeiten ist es wichtig zu wissen, daß ich nicht eine Arbeit über die Ölkrise oder über den Reichstag mache, wie das in der traditionellen Kunst üblich ist. Ich will ein Beispiel nennen: Picasso hat 1937 ein Bild vom zerstörten Guernica gemalt, nachdem der Ort bombardiert worden war. Wäre ich damals schon der Künstler Christo gewesen, wäre ich möglicherweise nach Guernica gegangen und hätte etwas Künstlerisches mit den Ruinen selbst gemacht. Meine Arbeit ist nicht die Reproduktion einer Sache, sondern die Sache selbst, sie beschäftigt sich immer wieder mit dem realen Sachverhalt eines Ortes." (1990)

 

"[...] durch diese Eigenfinanzierung bin ich ein völlig unabhängiger Künstler und der einzige Künstler der Welt, der seine Arbeiten selbst bezahlt! Ich lebe wirklich in der totalen künstlerischen Freiheit. Ich kann sagen, daß ich nur das mache, was ich will, wo, wann und wie ich will. Das gibt meinen Projekten die Schubkraft, die Energie [...]. Ich bin nicht käuflich. Meine Unabhängigkeit erfordert allerdings viel Kraft und ein starkes Bewußtsein von Freiheit. Ich möchte nie in eine Lage kommen, die hohen Kosten, die meine Projekte verursachen, anderen gegenüber oder gar öffentlich rechtfertigen zu müssen." (1990)

 

"Die Vergänglichkeit ist ein wichtiger Teil meiner Vorstellung von Kunst, denn die Zerstörung ist eingeplant; sie ist ein Teil der Ästhetik meiner Kunstwerke auf Zeit. Das Element, das am stärksten die Vergänglichkeit des Projektes vermittelt, ist der Stoff, den ich bei allen meinen Vorhaben verwende; er verdeutlicht die Zerbrechlichkeit und Verletzbarkeit der Dinge. Ich gebe zu, für unsere materialistische Gesellschaft sind die Projekte ohne Sinn. Sie sind ein paar Tage da, man kann sie sehen oder nicht, und dann verschwinden sie wieder. Die Installation dauert nur kurze Zeit, die Transformation des Ortes geht schnell vorüber; der Urzustand eines Stücks Landschaft ist rasch wiederhergestellt. Doch um die Transformation möglich zu machen, bedarf es eines Heeres von Ingenieuren, Mathematikern, Technikern und Hilfskräften, denn nichts wird der Improvisation überlassen, alles wird bis ins Detail geplant." (1990)

 

"In allen Epochen der Kunstgeschichte haben Stoffe und Gewebe die Künstler fasziniert. Die Struktur von Stoffen - Faltenwürfe, Plissees, Draperien - ist ein bedeutender Bestandteil von Gemälden, Fresken, Reliefs und Strukturen aus Holz, Stein oder Bronze, von en ältesten Zeugnissen bis zur Kunst der Gegenwart. Die Verhüllung des Reichstags mit Gewebebahnen steht in dieser klassischen Tradition. Stoffbahnen - wie Kleidung oder Haut - haben etwas Zartes und Empfindliches; sie verdeutlichen die einzigartige Qualität des Vergänglichen."